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Commerzbank: Ausstieg des Bundes frühestens 2012

zuletzt aktualisiert: 11.01.2009 - 14:13

Berlin (RPO). Die Commerzbank rechnet nach der Teilverstaatlichung frühestens 2012 mit einem Ausstieg des Bundes. Er gehe "sicherlich nicht in den nächsten zwei bis drei Jahren" davon aus, dass die Regierung ihren 25-Prozent-Anteil an dem Kreditinstitut wieder verkaufe, sagte Vorstandschef Martin Blessing Medienberichten zufolge. Der Bund selbst will nicht ins Tagesgeschäft eingreifen.

Das Engagement des Bundes sei nicht für die Ewigkeit bestimmt, sagte Blessing der "Welt am Sonntag" weiter. Das gelte sowohl für die Aktienbeteiligung als auch für die stillen Einlagen in Höhe von 16,4 Milliarden Euro. "Wir wollen das Geld so schnell wie möglich zurückzahlen, und wir werden es zurückzahlen", hob der Bank-Chef hervor.

Blessing verteidigte zugleich die Übernahme der Dresdner Bank durch sein Unternehmen. Ein Ausstieg aus dem Kaufprozess wegen der Finanzkrise wäre "keine Alternative gewesen". Er gehe nach wie vor davon aus, dass sich die Übernahme für sein Haus rechne. Forderungen aus dem Bankensektor, die Commerzbank solle sich als Bank mit staatlicher Beteiligung künftig auf Großunternehmen aus dem Dax- und M-Dax beschränken, erteilte Blessing eine klare Absage. Die Commerzbank werde auch künftig als Wettbewerber im Mittelstandsgeschäft auftreten, sagte er "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Der Vorsitzende des parlamentarischen Kontrollgremiums des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin), Albert Rupprecht (CSU), verlangte im Düsseldorfer "Handelsblatt" die Gründung einer "Bad Bank (deutsch: "Schlechte Bank"), an die andere Banken Problempapiere übertragen könnten. Allerdings müsse gewährleistet sein, dass die Banken am Ende auch mögliche Verluste der "Bad Bank" übernehmen würden, sagte Rupprecht weiter. Auch er äußerte die Vermutung, der Bund werde noch weiteren Banken "mit direkten Beteiligungen unter die Arme greifen" müssen. Dem Magazin "Focus" sagte Rupprecht: "Wir erreichen das tiefe Tal der Tränen erst im zweiten Halbjahr 2009."

Auch der Bankexperte Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim rechnet in den kommenden Monaten mit weiteren "Kapitalstützungen" und Beteiligungen des Bundes. Sorge bereite ihm allerdings eine mögliche Einflussnahme des Staates auf das Tagesgeschäft der Banken, sagte der Experte am Samstag im Deutschlandradio Kultur.

Der Vorstandsvorsitzende des Düsseldorfer Stahl- und Industriekonzerns ThyssenKrupp, Ekkehard Schulz, sprach sich gegen eine Beteiligung des Staates an kriselnden Unternehmen aus. "Das kann nur eine Übergangslösung sein", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Focus". "Wir wollen nicht zurück in eine Staatswirtschaft." Der Top-Manager verlangte für den Fall der Staatsbeteiligung "eine klar definierte Exit-Strategie". Auch der Wirtschaftsweise Bert Rürup sagte in den Dortmunder "Ruhr Nachrichten" vom Samstag mit Blick auf die Bundesbeteiligung an der Commerzbank, wichtig sei die Frage, "wann und zu welchen Konditionen der Staat aus seinem Engagement wieder herauskommt".

Bund hält sich aus Tagesgeschäft der Commerzbank heraus

Der Bund will sich als neuer Großaktionär der Commerzbank nicht ins Tagesgeschäft einmischen. Das versicherte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Wochenende. Das milliardenschwere Engagement mit Steuergeldern werde beendet, «sobald die akute Notlage überwinden ist», sagte die CDU-Politikerin. Commerzbank-Chef Martin Blessing stellt sich auf eine mittelfristige Beteiligung des Staates ein.

Blessing sagte, das Geld der Steuerzahler sei bei der Commerzbank gut angelegt: «Für die 16,4 Milliarden Euro an stillen Einlagen erhält der Steuerzahler sogar jährlich einen satten Zins von etwa neun Prozent.» Er wolle die Milliarden zudem so schnell wie möglich zurückzahlen.

Der Vorstandsvorsitzende wies den Vorwurf zurück, die Risiken bei der Übernahme der Dresdner Bank auch im Zuge der Nachverhandlungen Ende November nicht richtig eingeschätzt zu haben: «Die neuen Löcher wurden erst im Dezember offensichtlich.»

Zugleich wehrte sich Blessing gegen Forderungen aus der Politik, seine Bank müsse nach dem Einstieg des Bundes vermehrt Kredite an mittelständische Firmen vergeben. Solche Kredite würden «nicht im Aufsichtsrat bewilligt, sondern in den Filialen vor Ort», betonte er: «Auch der Bund kann kein Interesse daran haben, dass wir Kredite vergeben, die ein paar Monate später abgeschrieben werden müssen, weil die Firma nicht überlebensfähig war.»

Doch versicherte er: «Uns kommt bei der Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen eine wichtige Rolle zu, und wir nehmen sie als führende Mittelstandsbank in Deutschland gerne wahr.»

Quelle: AFP

 
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