5,8 Milliarden Dollar Minus: Autobauer Ford fährt zweitgrößten Verlust der Fírmengeschichte ein
zuletzt aktualisiert: 23.10.2006 - 14:48Dearborn/USA (RPP). Der US-Autobauer Ford hat im dritten Quartal mit 5,8 Milliarden Dollar (4,6 Milliarden Euro) den zweithöchsten Verlust in der Firmengeschichte eingefahren. Grund sind nach Konzernangaben hohe Restrukturierungskosten.
Im Vorjahr war das Minus mit 284 Millionen Dollar noch vergleichweise moderat ausgefallen. Der neue Ford-Chef Alan Mulally, der sich als Boeing-Sanierer einen Namen gemacht hatte, nannte das Ergebnis "nicht hinnehmbar" und kündigte unter anderem an, die Entwicklung Sprit effizienterer Modelle zu beschleunigen.
Ford leidet wie auch der größere Konkurrent General Motors unter sinkenden Absatzzahlen und starkem Wettbewerb durch asiatische Autokonzerne. Die US-Hersteller hatten jahrelang vor allem auf sportliche Geländewagen (SUV) und Pickups gesetzt, die als Spritfresser bekannt sind. Seitdem die Benzinpreise auch in den USA drastisch gestiegen sind, finden diese Autos immer weniger Käufer.
Der zweitgrößte US-Autohersteller mit Sitz in Dearborn hat sich angesichts anhaltender Verluste ein massives Sanierungsprogramm verordnet. Bis Ende 2008 will er Kosten von fünf Milliarden Dollar einsparen und fast ein Drittel seiner Stellen in Nordamerika abbauen. Die Zahl der Mitarbeiter soll dort von derzeit 130.000 auf rund 92.000 sinken.
Ohne die Restrukturierungskosten beläuft sich der Verlust laut Ford auf 1,2 Milliarden Dollar. Die Sonderbelastungen bezifferte Ford auf insgesamt 5,26 Milliarden Dollar vor Steuern. Bereits im ersten Halbjahr hatte Ford ein Minus von 1,4 Milliarden Dollar eingefahren. Den bisher höchsten Verlust in der Firmengeschichte hatte der Konzern im vierten Quartal 1992 mit 8,1 Milliarden Dollar ausgewiesen, dabei spielten aber vor allem Umstellungen bei der Bilanzierung eine Rolle.
Zugleich teilte Ford mit, die Bilanz für 2001 werde wegen Fehlern bei Verbuchung von Geschäften mit Derivaten überprüft. Dies könne Folgen bis in das dritte Quartal 2006 haben. Die Bilanz für 2002 werde vermutlich besser ausfallen, für die folgenden Jahre liefen die Berechnung noch.
Anfang September hatte Ford den als Sanierer erfahrenen Boeing-Manager Mulally an die Spitze des Unternehmens geholt. Der Urenkel des Firmengründers Henry Ford, Bill Ford war nach fünf Jahren als Vorstandschef zurückgetreten. Er hatte in zwei Anläufen versucht, den Konzern wieder auf die Erfolgsspur zu bringen. In der ersten Umstrukturierung wurden fünf Werke geschlossen und 35.000 Stellen gestrichen. Die Krise im nordamerikanischen Geschäft wurde damit aber nicht überwunden.
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