Daimler in der Krise: Autobauer senkt erneut Gewinnprognose
zuletzt aktualisiert: 23.10.2008 - 14:19Stuttgart (RPO). Gewinnwarnung bei Daimler: Der Autobauer hat nach einem Gewinnrückgang im dritten Quartal seine Erwartungen für den Rest des Jahres erneut nach unten korrigiert. Für 2008 wird ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) in Höhe von mehr als 6 Milliarden Euro erwartet.
Wie der Konzern am Donnerstag in Stuttgart mitteilte. Zuletzt war das Unternehmen noch von mehr als 7 Milliarden Euro ausgegangen. Im dritten Quartal war das Ebit um 66 Prozent auf 648 Millionen Euro eingebrochen.
Hintergrund war vor allem der Einbruch beim operativen Gewinn der Mercedes Car Group. Er sackte im dritten Quartal um 92 Prozent auf nur noch 112 Millionen Euro ab. Der weltweite Fahrzeugabsatz des Konzerns ging um 3 Prozent auf 522.525 Autos und Lastwagen zurück.
Zetsche schwört Belegschaft ein
Vorstandschef Dieter Zetsche sagte: "Wir stehen vor einer Situation, die sehr herausfordernd ist." In allen Geschäftsfeldern würden konsequent Effizienzprogramme umgesetzt. "Die Substanz unseres Unternehmens ist sehr solide."
Weiterhin stimmte die Beschäftigten auf schlechte Zeiten ein. "Was wir jetzt angesichts der aktuellen Situation vor allem brauchen, ist die richtige Mischung aus Kampfgeist und Durchhaltevermögen", schrieb der Vorstandschef am Donnerstag in einem Brief an die Mitarbeiter.
Zetsche erklärte weiter: "Daimler war immer am stärksten, wenn es wirklich darauf ankam - und ich weiß, dass ich auch diesmal auf Sie zählen kann!" Die Weltwirtschaft befinde sich in einer Ausnahmesituation. Die globale Finanzkrise habe im dritten Quartal die Realwirtschaft erreicht und die Automobilindustrie sei massiv davon betroffen.
Absätze der Pkw-Fahrzeuge eingebrochen
Der Absatz der Mercedes Car Group ging im dritten Quartal um 6 Prozent auf 315.800 Fahrzeuge zurück. Von der Kernmarke Mercedes wurden 8 Prozent weniger Autos verkauft. Vor allem in Nordamerika und Europa habe es einen abrupten Nachfragerückgang gegeben. In diesem Zusammenhang habe es auch Aufwendungen aus der Neueinschätzung der Restwerte von Leasingfahrzeugen in Höhe von 449 Millionen Euro gegeben. Außerdem machten dem Autobauer steigende Rohstoffkosten zu schaffen. Für das laufende Jahr nahm der Konzern seine Absatzprognose für Mercedes zurück. Es werde kein Rekordabsatz mehr erwartet, sondern nur noch Verkäufe auf Vorjahresniveau. Für 2008 werde nur noch mit einem operativer Gewinn bei Mercedes in Höhe von 2,5 Milliarden Euro gerechnet.
Mehr Gewinn bei Lastwagen
Die Nutzfahrzeugsparte Daimler Trucks konnte hingegen das Ebit im dritten Quartal um 6 Prozent auf 510 Millionen Euro steigern. Der Absatz legte um 4 Prozent auf 122.700 Lastwagen zu. Vor allem in Brasilien und Europa seien mehr Lastwagen verkauft worden. Daimler Trucks erwarte für 2008 ein Gesamtjahresergebnis von etwa 1,7 Milliarden Euro. Der Konzern hatte erst vor kurzem einen Stellenabbau in Nordamerika angekündigt. Der Bereich Daimler Financial Services steigerte zwischen Juli und September seinen operativen Gewinn um 99 Prozent auf 173 Millionen Euro.
Im Segment Van, Buses, Other wurde im dritten Quartal ein Verlust von 100 Millionen Euro eingefahren. Die Beteiligung an Chrysler habe das Ebit mit 351 Millionen Euro belastet. Darin seien 248 Millionen Euro enthalten im Zusammenhang mit dem Sanierungsprogramm und der Neueinschätzung von Restwerten des drittgrößten US-Autobauers.
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