Zulieferer meldet Insolvenz an: Autokrise: Erste Großpleite in NRW
VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 09.12.2008 - 07:11Leverkusen (RP). Die massiven Produktionskürzungen, mit denen die Autobauer weltweit auf die Wirtschaftskrise reagieren, haben das erste bedeutende Opfer in NRW gefordert. Der Leverkusener Zulieferer TMD Friction bleibt auf mehr als jeder dritten Bremse sitzen und hat Insolvenz angemeldet. „Der Absatz ist seit September um rund 40 Prozent eingebrochen“, sagte der Düsseldorfer Insolvenzverwalter Frank Kebekus unserer Redaktion.
TMD Friction beliefert mit Ausnahme der indischen Tata sämtliche Auto- und Lkw-Hersteller auf der Welt mit Bremsbelägen. In Europa sind die Leverkusener Marktführer, weltweit sind sie Nummer zwei. 2100 der 4500 TMD-Mitarbeiter sind in Deutschland beschäftigt. Davon 1000 in Leverkusen und 600 in Essen.
Vor sieben Jahren hat ein britischer Private-Equity-Hedgefonds die Firma gekauft und ihr – wie in der Branche üblich – das Eigenkapital entzogen. Außerdem haben die Briten TMD im Zuge von Weiterverkäufen an Hedgefonds die Schulden aufgebürdet, mit denen sie die Übernahme finanziert hatten. „Bei einer so dünnen Kapitaldecke reicht dann ein Luftzug, und ein Unternehmen ist Konkurs“, sagt Stefan Bratzel, Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule Bergisch Gladbach.
TMD-Vorstandschef Derek Whitworth machte auch den Rückzug der Kreditversicherer aus der gesamten Autobranche verantwortlich. „Unser operatives Geschäft ist gesund“, sagte Withworth gestern gegenüber unserer Redaktion. Das ist auch der erste Eindruck des Insolvenzverwalters. TMD habe sich in den vergangenen Jahren „erfolgreich restrukturiert und die Kosten jetzt im Griff“, sagte Kebekus. Der Markt nehme die TMD-Produkte gut an. Deshalb ist der Düsseldorfer Anwalt zuversichtlich, dass „der größte Teil der Arbeitsplätze erhalten werden kann.“ Seit 2006 hat TMD 400 Stellen gestrichen.
Geringe Gewinnmargen
Als Sofortmaßnahme will Kebekus das Geschäft stabilisieren, damit die Firma keine Kunden verliert. Dann soll ein Käufer gefunden werden, um die Zerschlagung zu vermeiden. Auch eine Landesbürgschaft, die den Liquiditätsengpass von TMD überbrücken könnte, ist im Gespräch. Das Wirtschaftsministerium wollte die Frage, wie es TMD jetzt helfen werde, gestern nicht beantworten.
Marc Gabriel, Analyst beim Bankhaus Lampe, sieht die geringen Gewinnmargen der Zuliefer-Branche als wachsendes Kernproblem. „Bei Umsatzrenditen von einem bis vier Prozent leben die nur noch von der Masse“, so Gabriel. Wenn der Umsatz dann wegbreche, seien viele Unternehmen verloren. „Das werden wir noch öfter sehen“, so Gabriel.
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