Krise: Autozulieferer zittern mit
zuletzt aktualisiert: 18.11.2008 - 12:58Düsseldorf (RP). Im Sommer 1998 schrieb der Heiligenhauser Türschloss-Hersteller Kiekert Wirtschafts-Geschichte. Frustriert von den mageren Preisen, auf die der Kampf um Marktanteile den Mittelständler inzwischen gedrückt hatte, stoppte der einfach mal die Produktion.
In der hart umkämpften Zuliefer-Branche ein unerhörter Vorgang. Keine Schlösser, keine Autos: Die Kölner Fordwerke mussten tagelang die Bänder anhalten, was einen dreistelligen Millionenbetrag gekostet hat.
"Seitdem achten die Autobauer sehr genau darauf, ihre Aufträge möglichst an mehrere Firmen parallel zu vergeben", erinnert sich Arndt Freialdenhofen vom Institut für Kraftfahrtwesen an der RWTH Aachen. Was das ohnehin undurchsichtige Geflecht von Autobauern und Zulieferern noch komplizierter gemacht hat: "Ich weiß es nicht", muss der Sprecher des NRW-Wirtschaftsministerium deshalb auch auf die Frage antworten, welche Zulieferer in Nordrhein-Westfalen durch die Krise bei Opel am härtesten getroffen werden.
Dass Delphi dazugehört, gilt allerdings als ausgemacht. 5100 Mitarbeiter haben die Amerikaner in Deutschland, 1100 davon allein in Wuppertal. Delphi war einmal Teil des Opel-Mutterkonzerns GM. Kein Wunder also, dass Opel heute noch immer Delphi-Kunde Nummer Eins ist. Delphi USA hat bereits 2005 Insolvenz beantragt.
Was Delphi für Opel ist, ist Visteon für Ford. 2000 ausgegliedert, beschäftigt Visteon in Deutschland heute 2800 Mitarbeiter. Mit der Krise der amerikanischen Ford sind auch diese Arbeitsplätze unsicher geworden. Weitere Opel-Lieferanten sind dem Vernehmen nach auch Töchter der Mönchengladbacher Aunde, die Eickener Tuchfabrik Willy Schmitz und die EGM Automotive in Mönchengladbach.
Insgesamt sind rund 30 Prozent der deutschen Zuliefer-Betriebe in Nordrhein-Westfalen ansässig. Der größte Teil dieser 800 Unternehmen – etwa 85 Prozent – beschäftigt weniger als 500 Mitarbeiter. Willi Diez, Professor für Autowirtschaft in Ulm, rechnet mit 25 000 gestrichenen Jobs bei den deutschen Zulieferern bis Mitte des nächsten Jahres.
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