Finanzmarktkrise: Bahn-Börsengang verschoben
zuletzt aktualisiert: 09.10.2008 - 16:43Düsseldorf (RPO). Der Börsengang der Deutschen Bahn ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Eigentlich sollte der Konzern am 27. Oktober teilprivatisiert werden, was am Donnerstag abgesagt wurde.
Das teilten das Bundesfinanzministerium und die Deutsche Bahn am Donnerstag in Berlin mit. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und Bahnchef Hartmut Mehdorn haben entschieden, die Bahn erst in einem besseren Markumfeld an die Börse zu bringen. "Sobald das Markumfeld einen erfolgreichen Börsengang möglich macht, sind wir startklar. Die Weichen sind gestellt", erklärten sie in einer gemeinsamen Pressemitteilung am Donnerstagnachmittag.
Mehdorn erklärte, sein Konzern habe "eine überaus positive Resonanz der Investoren erhalten". Es werde akzeptiert, dass die Bahn ein sicherer und solider Wert sei. "Angesichts der extrem hohen Volatilität und Verunsicherung an den weltweiten Kapitalmärkten, insbesondere seit Anfang dieser Woche, haben wir uns aber gemeinsam mit unserem Eigner, dem Bund, entschlossen, den Zeitplan anzupassen", sagte der Konzernchef. Sein Finanzvorstand Diethelm Sack ergänzte, der Dialog mit potenziellen Investoren werde in der Zwischenzeit fortgesetzt.
Am Donnerstag waren Vertreter von Banken, Bahn und Bund zusammengekommen, um die nächsten Schritte der Emission zu besprechen. Ursprünglich sollte am kommenden Montag die Zeichnungsfrist für Privatanleger beginnen. Das ist jetzt abgesagt. Noch am Abend sollte eine Telefonkonferenz des Aufsichtsratspräsidiums der DB AG zu dem Thema stattfinden.
Bereits im Vorfeld hatte Finanzminister Peer Steinbrück den Zeitpunkt des Börsengangs kritisiert. "Wir verscherbeln die Bahn nicht für einen Appel und ein Ei, das ist klar", sagte Stefan Olbermann, Sprecher des Finanzminsters. Angaben dazu, wo die Schmerzgrenze für das Ministerium liegt, wollte Olbermann am Vormittag nicht machen. Es gab die Befürchtung, dass die angepeilten acht Milliarden Euro Verkaufserlös bei dem derzeitigen Marktumfeld nicht realisiert werden könnten.
Der Börsengang war Schlüsselelement der Teilprivatisierung der Deutschen Bahn. Nach jahrelangem Hin und Her über Art und Umfang der Privatisierung des letzten deutschen Staatskonzerns sollten von der Personen- und Güterverkehrssparte des Konzerns, die nun "DB Mobility Logistics AG" heißt, 24,9 Prozent an die Börse gebracht werden. Der Rest sollte in Bundeshand bleiben, ebenso wie das Schienennetz, das aktienrechtlich abgetrennt wurde und nach wie vor zu 100 Prozent dem Bund gehören soll.
Die Schätzungen über den Erlös reichten von drei bis acht Milliarden Euro; als realistisch wurden zuletzt - vor dem Absturz der Börsen - 4,5 Milliarden genannt. Offenbar ist es nicht gelungen, in Vorgesprächen einen Preis zu erzielen, der angesichts der in Deutschland seit Tagen weit unterbewerteten Aktien diesen Erlös auch nur annähernd sicherstellt.
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