FDP fordert Umbau des Bahn-Vorstands: Bahn hat bislang 3800 Passagiere entschädigt
zuletzt aktualisiert: 24.07.2010 - 12:13Berlin (RPO). Die Bahn hat einem Medienbericht zufolge bislang 3800 Fahrgäste für die Hitzepannen entschädigt. In den vergangenen elf Tagen sind offenbar Reisegutscheine über 219.000 Euro ausgegeben worden. Unterdessen fordert die FDP einen Umbau des Bahnvorstandes als Konsequenz der Hitzepannen bei den ICE-Zügen.
Die von Bahnchef Rüdiger Grube zugesagten 500 Euro Schmerzensgeld für besonders stark betroffene Fahrgäste seien in der Summe noch nicht enthalten, berichtete die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Konzernkreise.
Als Konsequenz aus der Serie von Hitzeausfällen bei Zügen der Deutschen Bahn fordert die FDP einen Umbau des Vorstands. Der Staatskonzern brauche hier ein Mitglied, welches nur für Verbraucherfragen zuständig ist, sagte Verbraucherschutzexperte Erik Schweickert der "Süddeutschen Zeitung". "Das Bahnmanagement muss endlich einen besseren Kundenservice und wirkungsvollen Verbraucherschutz sicherstellen."
Ramsauer: Klimaanlagen sind sicherheitsrelevant
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) will Konsequenzen aus dem Hitze-Debakel in den ICE-Zügen ziehen und die Klimaanlagen zu sicherheitsrelevanten Bauteilen machen. "Wenn Menschen durch überhitzte Abteile gesundheitliche Risiken hinnehmen müssen, dann hat das nichts mehr mit eingeschränktem Komfort beim Reisen zu tun", sagte Ramsauer dem Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" laut Vorabbericht. Er forderte, dass bei der anstehenden Generalüberholung der betroffenen ICE-2-Züge die Klimaanlagen unbedingt angepasst werden müssten.
Zugleich wies Ramsauer Kritik zurück, der Bund trage mit seinem Plänen, jährlich 500 Millionen Euro aus dem Unternehmensgewinn der Bahn abzuschöpfen, zu weiteren Sparmaßnahmen und Problemen bei. "Wir haben bei der Bahn jahrelang keine Gewinne entnommen und im Unternehmen gelassen. Es ist doch völlig normal, dass der Eigentümer eines Unternehmens einen Teil der Erträge ausgeschüttet haben will", sagte der CSU-Politiker. Er gehe davon aus, dass die Einnahmeerwartungen des Bundesfinanzministers mit den unternehmenspolitischen Erfordernissen der Deutschen Bahn AG in Einklang gebracht werden können.
Beim Eisenbahn-Bundesamt häufen sich einem Magazinbericht zufolge Beschwerden von Bahnkunden, die wegen der Verspätung ihrer Züge eine Entschädigung beantragt haben und sich von der Bahn schikaniert fühlen. Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete, bekamen schriftlich reklamierende Kunden in mehreren Fällen von der Bahn die Antwort, sie sollten die Fahrkarte als Beleg einreichen - nur so sei eine Entschädigung möglich. Die meisten Kunden hätten das Ticket aber bereits ihrer Reklamation beigefügt.
Die Leiterin der Schlichtungsstelle Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen, Sara Zühlsdorff, habe dem Magazin bestätigt, dass es "immer wieder" derartige Fälle gebe. Sie erschwerten die Arbeit, "weil die Beweislast beim Kunden liegt". Ein Sprecher des Eisenbahn-Bundesamts, der Aufsichtsbehörde der Bahn, erklärte laut Bericht, die Problematik sei "derzeit Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens". Bis zum Abschluss des Verfahrens könne jedoch keine Einschätzung abgegeben werden, inwiefern die Bahn gegen die Fahrgastrechteverordnung verstoße.
Die Bahn zeige sich unterdessen flexibel und habe erklärt, dass im Sinne der Kunden auch alternative Nachweise für den Ticketkauf akzeptiert würden oder eine kulante Lösung angestrebt werde, berichtete das Magazin.
Seit Sommer 2009 ist die Bahn verpflichtet, bei Fahrplanüberschreitungen von mehr als 60 Minuten bis zur Hälfte des Ticketpreises zu erstatten.
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