Millionenschaden: Bahn mit gefälschten Wochenend-Tickets betrogen
zuletzt aktualisiert: 11.01.2007 - 16:44Bielefeld (RPO). Eine internationale Fälscherbande hat die Deutsche Bahn um Millionen Euro betrogen. Einem Medienbericht zufolge haben die Täter bundesweit gefälschte "Schönes-Wochenende-Tickets" verkauft.
Wie die "Neue Westfälische Zeitung" am Donnerstag in ihrer Online-Ausgabe unter Bezug auf einen Strafverteidiger berichtete, soll es sich bei den Tätern überwiegend um Personen aus Aserbaidschan und anderen ehemaligen GUS-Staaten handeln
Die Fälscherbande habe dabei den Umstand ausgenutzt, dass an Ticketautomaten der Bahn gezogene Vordrucke für Fahrausweise mit Fahrplanauskünften im Aufbau identisch sind. Beide Formulare stammten von derselben Papierrolle und wiesen denselben holografischen Sicherheitsaufdruck auf.
Die Täter zogen der Zeitung zufolge eine Fahrplanauskunft, entfernten den Aufdruck "Auskunft" mit Haarspray und erhielten so ein Blankoformular. Dann hätten sie ein Wochenendticket gekauft und es mit einem Scanner auf die präparierte Auskunft gebracht. Das Ergebnis sei von einem Original kaum zu unterscheiden. Die Fälschungen hätten die Betrüger dann unter dem Vorwand, die Fahrkarte selbst nicht nutzen zu können, auf den Bahnhöfen verkauft.
Auf Grund der Vorfälle bahne sich jetzt "ein Wirtschaftsstrafverfahren an, das bundesweit für Aufsehen sorgen wird", sagte der Bielefelder Strafverteidiger Lutz Klose, der einen der Täter vertritt, dem Blatt. Klose spricht den Angaben zufolge von einem "System mit straff organisierter Hierarchie".
Sein Mandant ist laut Zeitungsangaben ein 28-jähriger Aserbaidschaner aus Borken. Nachdem er als Verkäufer einer gefälschten Fahrkarte identifiziert worden sei, habe ihn die Bundespolizei observiert und sei dadurch ihm und der Fälscherbande auf die Schliche gekommen. Die Fälscherwerkstatt habe sich in einer Privatwohnung in Espelkamp befunden. Der Aserbaidschaner sei am 1. Dezember 2006 festgenommen worden. Er soll weitgehend geständig sein.
Die Bahn will von den Vorfällen nichts wissen. "Von einer Häufung derartiger Fälle ist uns nichts bekannt", sagte Bahn-Sprecher Gerd Felser dem Blatt. Man habe eher den Eindruck gewonnen, dass der Missbrauch seit der Personalisierung des Wochenendtickets zurückgegangen sei.
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