Deutsche Bahn: Bahn-Pannen begleiten ersten Tag neuer Preise
zuletzt aktualisiert: 12.12.2004 - 15:48Berlin (rpo). Die Einführung der neuen Bahnpreise haben am Sonntag Pannen begleitet. Bei der Inbetriebnahme der Prestige-Strecke der Bahn zwischen Hamburg und Berlin blieb einer der planmäßigen ICE-Züge liegen, was den Fahrgästen 70 Minuten Verspätung einbrachte. Die Tickets im Nahverkehr sind ab Sonntag um 3,6 und im Fernverkehr um 3,1 Prozent verteuert.
Bahnchef Hartmut Mehdorn, Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe und der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust schickten in Hamburg einen ICE auf die 287 Kilometer lange Strecke nach Berlin, die nun in 90 Minuten bewältigt wird. Während der Sonderzug mit den Prominenten es sogar in 89 Minuten bis zum Bahnhof Zoo schaffte, bescherte die Panne den übrigen Zügen Verspätungen von etwa fünf Minuten.
Der 650 Millionen Euro teure Ausbau der traditionellen Rennstrecke, die vorübergehend für den Transrapid vorgesehen war, auf Tempo 230 bringt Fahrzeitgewinne bis 35 Minuten. Die Platzkapazität wurde um 15 Prozent erhöht. Die Bahn bietet für die kommende Woche als Eröffnungsangebot die einfache Fahrt für 19 Euro an.
Metropolitan am Ende
Im Westen erhält der im Juni eröffnete Flughafenbahnhof Köln/Bonn direkten ICE-Anschluss in Richtung Wiesbaden-Mainz-Stuttgart. Dem Luxuszug "Metropolitan" zwischen Hamburg und dem Kölner Raum haben die Billigflieger den Garaus gemacht. Als Ersatz verkehrt morgens ein ICE-Sprinter.
Im Osten gibt es auf der Strecke Nürnberg-Prag wegen einer Streckensperrung in Tschechien keine IC-Züge mehr. Die Strecke Nürnberg-Dresden wird wegen der Pannen mit den Neige-ICE-Zügen vorerst weiter mit lokbespannten Zügen bedient. Die Fahrzeit beträgt 5:15 Stunden.
Im Verkehr mit Polen testet die Bahn noch die kommerziellen Möglichkeiten: Zwar ist erstmals Sczecin (Stettin) ans InterCity-Netz angeschlossen, Verbindungen von Dresden nach Wroclaw (Breslau) werden aber mangels Nachfrage eingestellt.
Auf die Strecken nach Süden will die Bahn verstärkt Winter-Urlauber locken: Insgesamt werden 85 AutoZug-Verbindungen innerhalb Deutschlands sowie nach Frankreich, Österreich und Italien angeboten.
Ab 400 Kilometer wird es teuer
Die Preise im Fernverkehr sind seit Sonntag um 3,1 Prozent, im Nahverkehr sogar um durchschnittlich 3,6 Prozent teurer. Bei Distanzen über 400 Kilometer steigen die Preise für das Zweite-Klasse-Ticket um 4,2 Prozent. Kritiker verweist das Unternehmen darauf, dass ohnehin 80 Prozent aller Reisenden Rabatte nutzen. Bis rund 150 Kilometer bleiben die Preise unverändert, ab 150 bis etwa 400 Kilometer steigen sie um 3,4 Prozent.
In der Schweiz änderten sich um 03.00 Uhr auf einen Schlag 90 Prozent aller Fahrzeiten, weil eine umfangreiche Systemänderung in Kraft trat. Die Bahnen erhöhten ihr Angebot um 14 Prozent. Es bringt im Inland mehr, schnellere und kürzere Verbindungen und mehr direkte Züge. Auf den Hauptstrecken fahren die Fernreisezüge im Halbstunden-, im Regionalverkehr sogar im Viertelstundentakt. Auch hier hatten Eisenbahner und Fahrgäste mit einigen technischen Defekten zu kämpfen, die aber nichts mit der Fahrplanumstellung zu tun hatten, wie die Schweizerischen Bundesbahnen mitteilten.
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