Preise steigen um 3,2 Prozent: Bahn wird teurer
zuletzt aktualisiert: 09.12.2004 - 12:56Berlin (rpo). Am kommenden Sonntag wechselt die Bahn ihren Fahrplan. Damit einher geht der Preisanstieg. Die Tickets im Fernverkehr steigen um 3,1 Prozent, im Nahverkehr sogar um durchschnittlich 3,6 Prozent. Neben der Preiserhöhung wird die Bahn jedoch auch teilweise schneller.
Wichtigste und kostspieligste Änderung ist die Inbetriebnahme der Schnellverbindung Berlin-Hamburg, mit der die Fahrzeit zwischen den beiden größten Städten Deutschlands auf 90 Minuten verkürzt wird. Der Luxuszug "Metropolitan" zwischen Hamburg und dem Kölner Raum wird dagegen mangels Nachfrage eingestellt.
Der 650 Millionen Euro teure Ausbau der traditionellen Rennstrecke zwischen Hamburg und Berlin, die vorübergehend für den Transrapid vorgesehen war, bringt einen Fahrzeitgewinn bis zu 35 Minuten. Die 280 Kilometer werden über weite Strecken mit Tempo 230 überwunden. Die Bahn wird dort das schnellste Verkehrsmittel - Direktflüge gibt es schon lange nicht mehr. Die Platzkapazität wurde nach Bahn-Angaben um 15 Prozent erhöht. Vom 12. bis 19. Dezember läuft ein Eröffnungsangebot, mit dem die einfache Fahrt für 19 Euro zu haben ist. Die Züge - stündlich abwechselnd Neige-ICEs und klassische IC-Züge - fahren im Süden weiter nach Leipzig, Dresden oder Prag.
Im Westen erhält der im Juni eröffnete Flughafenbahnhof Köln/Bonn einen direkten ICE-Anschluss Richtung Süden von der Linie KölnWiesbadenMainzStuttgart. Auf der ICE-Linie BerlinFrankfurt/MainBasel fahren künftig zwei Züge täglich über Basel hinaus bis Interlaken.
ICE-Sprinter statt Luxus-Metropolitan
Als Ersatz für den Metropolitan verkehrt künftig zwischen Hamburg und Nordrhein-Westfalen jeweils morgens in beiden Richtungen ein ICE-Sprinter. Zusätzlich bietet die Bahn jedoch weiterhin vom frühen Morgen bis spät abends Verbindungen im Stundentakt mit IC und ICE. Auf der Strecke NürnbergPrag gibt es wegen einer auf fünf Jahre angesetzten Streckensperrung zwischen Cheb (Eger) und Pilsen keine IC-Züge mehr.
Die Strecke NürnbergDresden wird wegen der Pannen mit den Neige-ICE-Zügen auch nach dem Fahrplanwechsel vorerst mit lokbespannten Zügen im Vier-Stunden-Takt bedient. Die Fahrzeit beträgt 5:15 Stunden. Beim Verkehr mit den neuen EU-Ländern testet die Bahn offenbar nach wie vor die kommerziellen Möglichkeiten: Zwar ist erstmals Sczecin (Stettin) an das InterCity-Netz angeschlossen, indem täglich ein durchgehender Fernzug von Sczecin über Berlin, Hannover und Osnabrück nach Amsterdam und zurück fährt. Im Süden werden aber die InterRegio-Verbindungen von Dresden über Görlitz nach Wroclaw (Breslau) mangels Nachfrage eingestellt.
Mit neuen Angeboten will die Bahn auch verstärkt Winter-Urlauber auf die Schienen locken: Insgesamt werden im Winter 85 DB AutoZug-Verbindungen innerhalb Deutschlands sowie nach Frankreich, Österreich und Italien angeboten. In Kooperation mit den österreichischen Bundesbahnen gibt es außerdem erstmals tägliche Verbindungen für PKW-Urlauber von Hamburg, Berlin und Düsseldorf nach Wien und zurück. An bestimmten Tagen ist die Automitnahme bereits ab 9,90 Euro zu haben. Diese Plätze sind allerdings kontingentiert. Schnäppchenjäger können auch im Nachtzug fündig werden. Wenn sie Glück haben, kommen sie für 29 Euro von Köln nach Prag.
Ab 400 Kilometer wird es teuer
Ansonsten werden Fernreisen mit der Bahn aber deutlich teurer. Bei Distanzen über 400 Kilometer steigen die Preise für das 2.-Klasse-Ticket um 4,2 Prozent. Kritiker verweist das Unternehmen darauf, dass ohnehin 80 Prozent aller Reisenden die vielfältigen Rabatte nutzen. Bei Entfernungen bis rund 150 Kilometer bleiben die Preise unverändert, zwischen 150 bis etwa 400 Kilometer steigen sie um durchschnittlich 3,4 Prozent. Ab 750 Kilometer gilt weiter der Maximalpreis für die einfache Fahrt von 111 Euro in der 2. beziehungsweise 167 Euro in der 1. Klasse.
Zeitkarten werden durchschnittlich um 3,3 Prozent teurer. Die Preise für die BahnCards 25 und 50 bleiben gleich. Die Sparpreise 25 und 50 können entgegen der ursprünglichen Absicht der Bahn mit dem Rabatt der BahnCard 25 kombiniert werden. Dadurch bleiben Preisvorteile von bis zu 62,5 Prozent möglich. Der Normalpreis kann künftig nicht mehr mit dem Mitfahrerrabbatt von 50 Prozent kombiniert werden, was für spontan entschlossene Kleingruppen ohne BahnCard das Bahnfahren extrem verteuert. Nach Angaben der Bahn handelt es sich dabei um drei Prozent aller Fahrten. Mit der BahnCard geht es noch bis Dezember 2005.
Ebenfalls zum 12. Dezember wird das City-Ticket in Verbindung mit der BahnCard auf mehr als 65 Städte ausgeweitet und gilt damit für die kostenlose Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln am Zielort. Damit sind fast alle Städte mit mehr als 120.000 Einwohnern eingebunden. Auch die BahnCard 100 erhält eine CityTicket-Funktion. Sie wird aber auch überdurchschnittlich teurer: Von 3.000 auf 3.250 Euro für die 2. und von 5.000 auf 5.400 Euro für die 1. Klasse.
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