Stärkere Rechte für Bahnkunden: Bahn zu spät, Geld zurück
zuletzt aktualisiert: 23.07.2006 - 10:21Hamburg (rpo). Die Bundesregierung will die Rechte der Bahnkunden bei Verspätungen und Zugausfällen stärken. Laut Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) plane die Regierung ein Gesetz, um die Zufriedenheit der Kunden zu erhöhen. Schon bei einer Verspätung von 30 Minuten solle die Bahn demnach 20 Prozent des Fahrpreises zurück erstatten.
Laut einem Bericht der "Bild am Sonntag" sollen die Auflagen von der Regierung Mitte August beschlossen werden. Ab 60 Minuten Verspätung müsse sie 25 Prozent erstatten, ab 120 Minuten 50 Prozent. Bislang erstattet das Unternehmen lediglich bei Verspätungen im Fernverkehr von mehr als einer Stunde 20 Prozent des Fahrpreises per Gutschein. "Die Bahn macht sich bei der Entschädigung ihrer Kunden einen schlanken Fuß - moderner Verbraucherschutz sieht anders aus", sagte Seehofer gegenüber der Zeitung.
Ab einer Verspätung von mehr als 20 Minuten im Nahverkehr solle die Bahn künftig Taxikosten bis zu 30 Euro übernehmen, heißt es weiter. Voraussetzung sei, dass eine Anschluss an einen Fernzug oder ein Flugzeug mit der Bahn nicht mehr erreicht werden kann. Wenn sich eine Verspätung von 60 Minuten abzeichne, solle der Bahnkunde sein Ticket zurückgeben können, den vollen Fahrpreis erstattet bekommen und ein Recht auf kostenlose Rückbeförderung zum Ausgangsort haben.
Entschädigungen sollen dem Bericht zufolge künftig in bar ausgezahlt werden und nicht über die bislang verteilten Gutscheine, die die Kunden am Schalter einlösen müssen. Die Bahn wird dazu verpflichtet, die Fahrgäste über ihre Rechte zu informieren - und auch darüber, wie sie diese Rechte gegenüber dem Unternehmen geltend machen können. Ausnahmen von der Entschädigung soll es nur geben, wenn die Bahn die Verspätung nicht selbst verschuldet.
Der Bahn geht der Plan des Verbraucherschutzministeriums viel zu weit. Das Unternehmen hoffe auf eine wesentlich laschere Verordnung der Europäischen Union (EU), schrieb das Blatt. "Wir befürworten, dass sich die Regelungen in Deutschland so eng wie möglich an der zu erwartenden EU-Verordnung orientieren", sagte ein Bahnsprecher. Bislang hatte das Unternehmen stets mit Fahrpreiserhöhungen gedroht, falls weiter gehende Kundenrechte gesetzlich verankert werden. Seehofer warnte die Firma vor einem solchen Schritt. "Die Bahn wäre schlecht beraten, wenn sie als Reaktion die Preise heraufsetzt. Das schafft kein Vertrauen. Schließlich muss sie im Wettbewerb mit Flugzeug und Auto auch durch attraktive Tarife bestehen", sagte er. Dagegen nutze das geplante Gesetz auch der Bahn, weil dann mehr Menschen Zug führen.
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