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Krankenkassen-Fusion: Bald eine AOK für ganz NRW

VON ANTJE HÖNING - zuletzt aktualisiert: 11.07.2009 - 09:53

Düsseldorf (RP). Immer mehr gesetzliche Krankenkassen wollen sich zusammenschließen. Die AOK Rheinland-Hamburg will sich nun bis 2010 mit der Westfalen-Lippe zusammentun. Die Barmer verhandelt mit der Gmünder Ersatzkasse.

Die Fusionswelle bei den gesetzlichen Krankenkassen rollt. Auch die Ortskrankenkassen in Nordrhein-Westfalen wollen sich zusammenschließen. "Wir führen Gespräche mit der AOK Westfalen-Lippe. Und ich bin zuversichtlich, dass wir im Laufe des kommenden Jahres zu einem Zusammenschluss kommen", sagte Wilfried Jacobs, Chef der AOK Rheinland-Hamburg, unserer Redaktion. Die AOK Rheinland-Hamburg hat 2,83 Millionen Versicherte, die AOK Westfalen-Lippe 2,07 Millionen. Die NRW-Landesregierung wünscht sich seit längerem einen Zusammenschluss.

Beide AOK seien zwar in guter finanzieller Verfassung, insofern ständen sie nicht unter Zeitdruck. Doch durch eine Fusion ließen sich Kosten sparen, meinte Jacobs. "Mit fast fünf Millionen Versicherten hätten wir eine ganz andere Verhandlungsmacht und könnten Leistungen bei Ärzten und Krankenhäuser besser einkaufen", sagte der Rheinland-Chef. Auf den Beitrag würde sich eine Fusion nicht auswirken. Seit Einführung des Gesundheitsfonds nehmen alle Kassen den gleichen Satz, derzeit 14,9 Prozent des Lohns.

Hauptsitz Düsseldorf oder Dortmund?

Für die Beschäftigten würde sich einiges ändern. Noch offen ist, ob Düsseldorf oder Dortmund Hauptsitz der neuen Kasse wird. Das ist ein Knackpunkt in den Verhandlungen. Die AOK Westfalen-Lippe hat in Dortmund 5000 Beschäftigte. Die AOK Rheinland-Hamburg hat 7300 Mitarbeiter, vor allem in Düsseldorf.

Kein Stellenabbau geplant

Stellen sollen aber nicht wegfallen. "Die Fusion soll Arbeitsplätze sichern, nicht vernichten", versprach Jacobs. Wer Chef der Super-Kasse wird, ist ebenfalls offen. Der Vertrag von Rheinland-Chef Wilfried Jacobs (Jahrgang 1944) läuft noch bis 2012, der Vertrag von Westfalen-Chef Martin Litsch (Jahrgang 1957) bis 2014.

Dies wäre die vierte Fusion im AOK-System. 2006 haben sich Rheinland und Hamburg zusammengeschlossen, seit kurzem auch Thüringen und Sachsen. Ab 2010 sind Berlin und Brandenburg unter einem Dach. Die Westfalen sprachen auch schon mal mit Schleswig-Holstein und Bremen.

Bald nur noch 100 Krankenkassen

Jacobs geht davon aus, dass es in wenigen Jahren nur noch 100 statt derzeit 192 Kassen geben wird. Zum Vergleich: Noch vor zehn Jahren waren es mehr als 400 Krankenkassen. Grund für die Fusionswelle sind die steigenden Krankheitskosten.

Da seit Einführung des Gesundheitsfonds der Staat den Beitrag festlegt, können die Kassen auch nicht einfach mehr Geld von ihren Mitgliedern nehmen, sondern allenfalls die unpopulären Zusatzbeiträge verlangen. Daher suchen Kassen nun verstärkt ihr Heil in Zusammenschlüssen.

"AOKen sollten auch mit Betriebs- und Innungskrankenkassen über eine Fusion reden", sagte Jacobs. Solche übergreifenden Fusionen sind seit einiger Zeit erlaubt. Die Techniker Kasse hatte diese Möglichkeit als erste genutzt und die IKK direkt übernommen. Damit wurde sie zur größten deutschen Kasse und verdrängte die Barmer Ersatzkasse von Platz eins.

Nun setzt die in Wuppertal beheimatete Barmer mit ihren 6,8 Millionen Versicherten nach. Sie führt intensive Gespräche mit der Gmünder Ersatzkasse (1,7 Millionen Versicherte). Durch diesen Zusammenschluss würde die Barmer wieder zur Nummer eins werden.

Vor kurzem hatte die DAK angekündigt, dass sie sich zum 1. Januar 2010 mit der Hamburg Münchener Krankenkasse verbinden will. Diese neue DAK wird 6,3 Millionen Versicherte haben. Die BKK Gesundheit erklärte gestern die Übernahme der BKK Fahr zum 1. Januar 2010. Sie wird mit 1,5 Millionen Versicherten die größte Betriebskrankenkasse.

Quelle: RP

 
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