Untersuchungsausschuss: Bankaufsicht attackiert HRE-Chef
VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 20.08.2009 - 07:42Berlin (RP). Die Bankenaufsichtsbehörde Bafin spricht dem Vorstandsvorsitzenden der maroden Immobilienbank Hypo Real Estate, Axel Wieandt, die Kompetenz ab. Der Ex-Deutsche-Bank-Manager sei "problematisch", heißt es. Inzwischen gehört die HRE mehrheitlich dem Bund.
Die oberste Aufsichtsbehörde der deutschen Banken hält den aktuellen Vorstand der maroden Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) offenbar für unfähig. Wie erst jetzt bekannt wurde, äußerte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) im Dezember 2008 massive Zweifel an der Eignung von Vorstandschef Axel Wieandt sowie seinen Vorstandskollegen Kai Wilhelm und Frank Krings. Die Bedenken teilten die Prüfer am 11. Dezember 2008 auch dem Bundesfinanzministerium mit, wie aus einem internen E-Mail-Schriftwechsel des Ministeriums hervorgeht, der unserer Zeitung vorliegt. Der Bund ist heute Mehrheitseigentümer des mit 102 Milliarden Euro Staatshilfe vor der Pleite geretteten Instituts.
Am 11. Dezember 2008 teilte eine leitende Mitarbeiterin der Bonner Aufsichtsbehörde dem Aufsichtsratsvorsitzenden der HRE, Michael Endres, die Zweifel der Experten an dem neuen Vorstand mit. Die HRE hatte die Manager zuvor als "kompetente und international erfahrene Führungskräfte" gelobt. Am selben Tag teilte die Bafin ihre Bedenken auch dem Finanzministerium mit. In einer internen E-Mail des Ministeriums wird die deutliche Bafin-Kritik schriftlich festgehalten. Unter Punkt 1 heißt es: "Die genannten Herren – Wieandt, Wilhelm, Krings (..) sind einzeln gesehen problematisch. Es fehlt fachliche Erfahrung bezogen auf das konkrete Geschäftsfeld der Bank." Nur wenn in dem neu zu bildenden Gesamtvorstand der HRE weitere Spezialisten hinzukämen, könne man die Personalie akzeptieren, heißt es weiter. Dazu sollten Personalprofis ("Headhunter") eingesetzt werden. Dazu kam es nicht. Bis heute sind Wieandt & Co. im Amt. Die Bafin war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Das Finanzministerium erklärte auf Anfrage, dass es zum damaligen Zeitpunkt nicht über die Bestellung des HRE-Vorstands hätte entscheiden können. Ob Wieandt heute das Vertrauen des Mehrheitseigentümers Bund genießt, wollte der Sprecher ohne exakte Kenntnis des Sachverhalts nicht sagen. Wieandt war von Deutsche-Bank-Chef Ackermann empfohlen worden.
Die Opposition wertet die Bafin-Zweifel als Beleg für das verfehlte Krisenmanagement der Regierung. Bei der Zeugenvernehmung im Untersuchungsausschuss des Bundestages habe Axel Wieandt "nicht zwingend die erforderliche fachliche Eignung vermittelt", heißt es in einem Schreiben an die Bafin. FDP, Grüne und Linke fordern die Behörde zur Abberufung des Bankers auf. Dazu hat die Aufsicht nach dem Kreditwesengesetz (KWG) in bestimmten Fällen das Recht.
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