Kritik an Informationspolitik: Banken fordern Entschädigung von Kreditkartenunternehmen
zuletzt aktualisiert: 20.11.2009 - 10:59Düsseldorf (RPO). Nach dem möglichen Datendiebstahl bei einem spanischen Dienstleister für Kreditkartengeschäfte verlangen die deutschen Banken einem Pressebericht zufolge eine Entschädigung der Kartenunternehmen Visa und Mastercard.
Die Institute kritisierten zudem die mangelhafte Kommunikationspolitik der beiden Unternehmen in den vergangenen Tagen, wie das "Handelsblatt" am Freitag unter Berufung auf ein Schreiben des Zentralen Kreditausschusses an Visa und Mastercard berichtete. Im Kreditausschuss (ZKA) sind die Verbände von Sparkassen, Genossenschaftsbanken und privaten Banken vertreten.
"Wir halten es angesichts der hohen Sicherheitsphilosophie und -aufwendungen der deutschen Kreditkartenemittenten - unter anderem für die Chipausstattungen ihrer Karten - nicht mehr länger für hinnehmbar, sowohl materiell als auch imagemäßig für die Versäumnisse anderer, am internationalen Mastercard-System Beteiligter in anderen Ländern einstehen zu müssen", zitierte das "Handelsblatt" aus dem Schreiben.
Der ZKA bitte daher um "kurzfristige Mitteilung", wie die Erstattung der entstandenen "erheblichen" Schäden erfolgen werde. Visa und Mastercard äußerten sich auf Anfrage des Blattes zunächst nicht.
Auch Citibank tauscht Karten aus
Indes kündigte auch die Citibank an, zahlreiche Karten auszutauschen. 15.000 Karten ziehe die Bank zurück, wie sie am Freitag in Düsseldorf mitteilte. Angesichts von rund 807.000 Citibank-Kreditkarten sei dies ein geringer Anteil. Der Austausch sei "rein präventiv".
Die Kunden der Citibank werden schriftlich über den Austausch informiert, wie das Institut mitteilte. Bis dahin blieben die alten Karten gültig. Die Bank werde die Zahlungsvorgänge auf verdächtige Buchungen überwachen. Der Kunde hafte nicht für eventuell entstandene Schäden.
Banken und Sparkassen tauschen derzeit hunderttausende Kreditkarten in Deutschland aus. Mastercard und Visa hatten die deutschen Institute kürzlich vor Unregelmäßigkeiten bei einem spanischen Finanzdienstleister gewarnt, der Kreditkartenzahlungen abwickelt. Diese Umtauschaktion sei teurer als der Betrug selbst, sagte der Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes, Claus Friedrich Holtmann, am Freitag im MDR. "Das Grundproblem ist, man weiß nicht, wo das Ding einschlägt." Bislang gibt es nach Angaben des Sparkassen- und Giroverbandes noch keine Schadensfälle.
Auch andere Länder betroffen
Der Massentausch von Kreditkarten nimmt offenbar immer größere Ausmaße an. Auch andere Länder sind nach einem Bericht der Bayerischen Fernsehens betroffen: Eine Visa-Deutschland-Sprecherin habe der Nachrichtensendung "Rundschau" gesagt, dass nun auch in anderen Ländern offenbar Karten ausgetauscht werden müssten. Zahlen und Länder habe sie jedoch nicht genannt.
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