Kosten im dreistelligen Millionenbetrag: Banken fürchten sich vor Kartentausch
VON GEORG WINTERS - zuletzt aktualisiert: 07.01.2010 - 06:40(RP). Nach dem Software-Fehler bei 30 Millionen Giro- und Kreditkarten soll ein Software-Update helfen. Andernfalls droht ein Austausch von Karten, der Banken und Sparkassen einen dreistelligen Millionenbetrag kosten könnte.
Die Quandts gehören zu den großen Industriedynastien der Republik. Mit Finanzthemen brachte man sie dagegen bisher weniger in Verbindung. Das ist jetzt anders. Denn die Familie Quandt ist mit zehn Prozent an der Firma Gemalto beteiligt, und dahinter wiederum verbirgt sich der niederländische Chipkarten-Hersteller, dessen fehlerhafte Software rund 30 Millionen Giro- und Kreditkarten von deutschen Kunden seit Jahresbeginn beim Geldabheben und bargeldlosen Zahlen unbrauchbar gemacht hat.
Das Problem ist noch nicht gelöst. Es ist nicht mehr ausgeschlossen, dass die Karten ausgetauscht werden müssen. Das wäre dann der Fall, wenn es Gemalto nicht gelänge, den Chip zentral – das heißt in den Lesegeräten bei den Händlern – zu reparieren. Gelingt diese zentrale Konfiguration, müsste man als Bankkunde beim nächsten Geldabheben so ähnlich wie beim Geldkarten-Aufladen einmalig einen Befehl eingeben, damit die Karte wieder funktioniert.
Diese zentrale Reparatur versucht Gemalto in den nächsten Tagen hinzubekommen. Bis dahin dürfen die Kunden von Sparkassen sowie Privat- und Volksbanken hoffen, dass sie sich nicht wieder an eine neue Karte und eine neue Geheimzahl gewöhnen müssen. Ein Komplettaustausch aller 30 Millionen Karten könnte die deutsche Geldwirtschaft leicht einen dreistelligen Millionenbetrag kosten.
Das versuchen alle Beteiligten zu verhindern. "Wir werden alles tun, damit alle Kunden ihre Karten möglichst schnell wieder einwandfrei nutzen können", sagte eine Sprecherin des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). Der Verband ist in diesem Jahr federführend im Zentralen Kreditausschuss (ZKA), der die Interessen nahezu aller Geldhäuser in Deutschland bündelt.
Sollte eine Tauschaktion tatsächlich notwendig werden, würden die Banken versuchen, sich das Geld bei Gemalto zurückzuholen. Für den niederländischen Großkonzern ist der Software-Fehler ein Desaster. Das Unternehmen, das aus der Fusion der niederländischen Axalto und der luxemburgische Gemplus entstand, ist mit 1,78 Milliarden Euro Umsatz der führende Chipkarten-Hersteller und weltweit in mehr als 100 Ländern tätig.
Aber nicht nur Gemalto ist in die Kritik geraten. Die bisherige Informationspolitik der Banken und Sparkassen zu den fehlerhaften Chips sei "ein Desaster", erklärte Klaus Müller, der Chef der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Die Pflicht der Institute sei es, ihre Kunden sofort über Einschränkungen zu informieren und nachvollziehbare Erklärungen für die Probleme zu liefern, die den Verbrauchern entstünden, forderte Müller. Genau das glauben die Geldhäuser allerdings getan zu haben: "Die Kritik ist für uns nicht nachvollziehbar", sagte die DSGV-Sprecherin. Die Institute hätten schließlich "sehr schnell und sehr transparent" informiert.
Die Verbraucherschützer fordern die Banken auch auf, ihren Kunden keine Gebühren in Rechnung zu stellen, die dadurch entstehen, dass die Kunden bei einer anderen Bank Geld abheben müssen. Das kostet in der Regel einige Euro. In diesem Fall würden viele Institute aber vermutlich die Kosten übernehmen, heißt es.
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