Versandhaus: Banken stimmen Notkredit für Quelle zu
zuletzt aktualisiert: 10.07.2009 - 18:02Fürth (RPO). Nach wochenlangem Gezerre um einen staatlichen Rettungskredit ist Quelle seit Freitag wieder flüssig. Die letzten Verträge für den dringend benötigten Massekredit über 50 Millionen Euro seien am Nachmittag unterzeichnet worden, erklärten das Unternehmen und die Insolvenzverwaltung. Das erste Geld sei bereits geflossen.
"Quelle verfügt jetzt über die notwendige Liquidität, um die Geschäfte zu stabilisieren und fortzuführen." In den nächsten Wochen solle ein Sanierungskonzept erarbeitet werden.
Quelle bekommt laut Thomas Schulz, dem Sprecher des Insolvenzverwalters, jetzt wieder Geld aus dem Factoring, über das das Unternehmen einen Großteil seiner Einnahmen erhält. Das erste Geld sei schon am Freitag geflossen. Aus Kundengeldern dürfte inzwischen ein dreistelliger Millionenbetrag für Quelle bei den Banken aufgelaufen sein. Quelle-Sprecher Manfred Gawlas sagte "Geld ist sofort geflossen."
Katalog soll jetzt ausgeliefert werde
Quelle kündigte erste Sofortmaßnahmen an: "Der Hauptkatalog geht in den Versand, das Online-Marketing kann wieder anlaufen, Lieferungen von Neuware können wieder in gewohntem Umfang anlaufen."
Der Insolvenzverwalter habe sofort Zahlungen für Druckereien, Katalogversand und Onlinemarketing ausgestellt, sagte Gawlas. Drei Millionen Kataloge lägen bereits auf Halde. Zudem könnten 250 Hochseecontainer mit Ware jetzt auf den Weg ins Versandzentrum Leipzig gehen. "Die Kollegen arbeiten alle Tag und Nacht. Jetzt kommen arbeitsreiche Wochen." Bis Mitte kommender Woche sei die Wiederherstellung des normalen Geschäftsbetriebes zu erwarten, sagte Gawlas.
Das sogenannte Factoring, bei dem Banken Forderungen von Quelle gegenüber Kunden übernehmen und dem Versandhaus den Großteil des Geldes sofort auszahlen, hatte seit dem Insolvenzantrag am 9. Juni auf Eis gelegen. Deshalb konnte Quelle den überfälligen Druck des Herbst-/Winterkatalogs nicht bezahlen.
Auch das Amtsgericht Essen hat den Insolvenzverwalter ermächtigt, den Kreditvertrag zu unterschreiben. "Der Vertrag sichert der Quelle GmbH eine Grundfinanzierung des Geschäftsbetriebs", erklärte das Unternehmen. Zusammen mit der Quelle-Hausbank Valovis übernehmen jetzt Bayerische Landesbank und die Commerzbank das Factoring.
Quelle-Erbin schweigt
Der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon und Wirtschaftminister Martin Zeil erklärten, der nun endlich freigegebene Massekredit mache den Weg frei, um an einem Zukunftskonzept für Quelle zu arbeiten. "Jetzt hat Quelle eine Chance und kann seinen Geschäftsbetrieb für die kommenden Monate fortführen", teilten sie gemeinsam mit. "Uns ist bewusst, dass Quelle noch schwierige Hausaufgaben vor sich hat."
Es komme jetzt darauf an, die durch den Massekredit gewonnene Zeit zu nutzen und ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das Quelle eine erfolgreiche Zukunft ermögliche. Eine Sprecherin von Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz wollte die Entscheidung am Freitag dagegen nicht kommentieren.
Quelle hatte trotz früher Hilfsbekundungen seitens der bayerischen Landesregierung wochenlang auf den in Aussicht gestellten Massekredit warten müssen. Nach Auskunft des Geschäftsführers hatten Kataloge nicht ausgeliefert werden können und die Internet-Suchmaschine Google hatte ihre Werbung für Quelle eingestellt. Zuletzt waren bei dem Unternehmen auch deswegen die Bestellungen auf auf die Hälfte des Vorjahrsniveaus eingebrochen.
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