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Skandal um Ex-US-Börsenchef Madoff: Banken verlieren Milliarden durch Betrug

zuletzt aktualisiert: 15.12.2008 - 15:54

Paris/London (RPO). Europäische Großbanken sind in den Strudel des milliardenschweren Betrugsskandals um den früheren Nasdaq-Verwaltungsratschef Bernhard Madoff geraten. Wie stark deutsche Banken betroffen sind ist noch unklar. Die französische PNB Paribas beziffert ihren Schaden auf rund 350 Millionen Euro.

Ex-Nasdaq-Chef Bernard L. Madoff soll Banken und Investoren um Milliarden betrogen haben.  Foto: New York Times, AP
Ex-Nasdaq-Chef Bernard L. Madoff soll Banken und Investoren um Milliarden betrogen haben. Foto: New York Times, AP

Für eine abschließende Bewertung sei es noch zu früh, berichtet die Wirtschaftsnachrichtenagentur Dow Jones Newswires am Montag aus vielen Häusern. Die Landesbank Hessen-Thüringen Helaba, die WestLB und die HSH Nordbank erklärten, sie hätten keine Gelder über Madoff investiert. Deutsche Bank und Commerzbank wollten sich hingegen nicht zu dem Thema äußern.

Bei weiteren deutschen Banken und Versicherern bemühten sich die Sprecher noch um Aufklärung. "Wir sind noch am Recherchieren, für eine Antwort ist es noch zu früh", sagte ein Sprecher der Dresdner Bank. Ähnlich lautende Aussagen gab es auch von der Deutschen Postbank und weiteren Landesbanken. Auch bei den großen börsennotierten Versicherern war wegen der laufenden Prüfung keine abschließende Antwort zu erhalten.

2,33 Milliarden legte die spanische Santander an

Die französische BNP Paribas bezifferte den möglichen Schaden am Montag auf 350 Millionen Euro, das von der Finanzkrise ohnehin schwer angeschlagene belgisch-französische Institut Natixis fürchtet Verluste von bis zu 450 Millionen Euro. Die Kunden der spanischen Gruppe Santander legten insgesamt 2,33 Milliarden Euro bei Madoff an. Die britische Royal Bank of Scotland bezifferte ihr Risiko auf mehr als 400 Millionen Euro.

Madoff ist Gründer der Bernard L. Madoff Investment Securities LLC. Er war auch maßgeblich am Aufbau der Technologiebörse Nasdaq beteiligt; zeitweise war er deren Verwaltungsratsvorsitzender. Wegen Verdachts auf massiven Betrug waren Madoff am Donnerstag festgenommen und die Konten seiner Fonds eingefroren worden. Er soll Kunden, die ihr Geld bei seinem Unternehmen anlegten, hohe Renditen versprochen und auch bezahlt haben. In einem Schneeballsystem wurden die Renditen allerdings mit Geldern neuer Anleger finanziert, irgendwann brach das System zusammen.

Die Ermittler in New York fürchten Verluste von insgesamt 50 Milliarden Dollar, neben Banken hatten auch dutzende Wohltätigkeitsorganisationen und Privatpersonen ihr Geld bei dem als seriös geltenden 70-Jährigen angelegt. Der Fall traf die Aufsichtsbehörden völlig unvorbereitet. Madoffs eigene Familie machte den Fall öffentlich.

Nach Angaben der US-Ermittler hat Madoff eingeräumt, bei dem Geschäft habe es sich um "eine einzige große Lüge" gehandelt habe. Tatsächlich sei er seit Jahren zahlungsunfähig. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft und eine Geldstrafe bis zu fünf Millionen Dollar.

Banken in Schweiz und Großbritannien betroffen

Natixis erklärte am Montag, zwar habe man keine Direktinvestitionen in Madoffs Hedgefonds getätigt. Allerdings seien 450 Millionen Euro von Klienten über Fonds indirekt bei Madoff Investment Securities angelegt worden. Der Schaden hänge davon ab, "in welchem Maß die Anlagen zurückgewonnen werden können". Das gleiche Szenario gilt für BNP Paribas, hieß es in einer kurzen Erklärung.

Die Royal Bank of Scotland, zu 58 Prozent britisches Staatseigentum, bezifferte das Risiko auf 400 Millionen Pfund (446 Millionen Euro). Der britische Hedgefonds Man Group investierte nach eigenen Angaben rund 240 Millionen Pfund bei Madoff. Auch Banken in Fernost drohen in den Strudel mit hineingezogen zu werden: Das größte japanische Börseninstitut Nomura Holdings legte 27,5 Milliarden Yen (227 Millionen Euro) bei Madoff an.

Über Schweizer Privatbanken sind ebenfalls Gelder in die USA geflossen. Die Genfer Vermögensverwaltungsbank Union Bancaire Privee (UBP) bestätigte am Montag, dass ihre Kunden größere Summen in die Fonds Madoffs investiert hätten.

Am Wochenende hatte die Luzerner Privatbank Reichmuth bekanntgegeben, dass sie über ihren Dachfonds für Anlagen in Hedge Funds, Reichmuth Matterhorn, betroffen ist. Reichmuth Matterhorn habe in verschiedene Hedge Funds investiert, die ihrerseits mit Bernard Madoff zusammenarbeiteten. Bereits am vergangenen Freitag hatte die Genfer Banque Benedict Hentsch erklärt, dass 56 Millionen Franken in ihren Kundenportefeuilles in Produkte von Madoff investiert seien.

Quelle: AP

 
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