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Überkapazitäten: BASF streicht in Ludwigshafen 3.600 Stellen

zuletzt aktualisiert: 23.11.2004 - 15:41

Ludwigshafen (rpo). Die BASF will in ihrem Stammsitz in Ludwigshafen rund 3.600 Arbeitsplätze streichen. Nach einer von Vorstand und Betriebsrat unterzeichneten Vereinbarung soll die Beschäftigtenzahl bis Ende 2007 von derzeit 35.600 auf 32.000 abgesenkt werden. Auf betriebsbedingte Kündigungen will der Chemiekonzern verzichten.

Der Verzicht auf einen weiter gehenden Arbeitsplatzabbau setze allerdings voraus, dass es keine krisenhafte Verschärfung der wirtschaftlichen Lage gebe, sagte der stellvertretende BASF-Vorstandschef Eggert Voscherau. Auch dürften die Rahmenbedingungen für die BASF sich nicht derart verschlechtern, dass das Unternehmen nicht mehr wettbewerbsfähig sei. Daher soll die Vereinbarung von Vorstand und Betriebsrat jährlich auf ihre Tragfähigkeit hin überprüft werden.

Wie der stellvertretende Vorstandschef berichtete, liegt das vor zwei Jahren vereinbarte Sparprogramm für den Standort Ludwigshafen im Plan. Bis Mitte 2005 werde das Kostenniveau am Heimatstandort dauerhaft um 450 Millionen Euro gesenkt. Von dem Sparziel wurden nach Unternehmensangaben bereits 350 Millionen Euro erreicht.

Voscherau kündigte darüber hinaus an, dass die BASF in den kommenden fünf Jahren ihre Investitionen am Standort Ludwigshafen stabil halten wird. Bis 2009 würden insgesamt sechs Milliarden Euro in die Werksanlagen investiert. Dies sind durchschnittlich 1,2 Milliarden Euro pro Jahr. Dazu kommen nach BASF-Angaben jährlich weitere rund 700 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung.

Der BASF-Aktie konnte die Betriebsvereinbarung am Dienstag keinen neuen Schub verleihen. Während an der Frankfurter Börse der Dax bis zum Nachmittag um 0,4 Prozent zulegte, verlor der Anteilschein des Chemiekonzerns gegenüber dem Vortag leicht an Wert und lag gegen 15 Uhr bei 50,65 Euro.

Seit 1990 bereits 22.000 Jobs abgebaut

"Wer unbequeme Veränderungen meidet, wer nicht auf der Höhe der Zeit bleibt, dem geht es an die Existenz", sagte Voscherau. Die Chemieindustrie befinde sich in einem tief greifenden Restrukturierungsprozess. Die Branche leide unter weltweiten Überkapazitäten. Vor allem in China und im Mittleren Osten entstehe den traditionellen Herstellern eine starke Konkurrenz. Vor diesem Hintergrund müsse die BASF auf eine hohe Produktivität setzen bei sinkendem Einsatz von Personal.

Betriebsratschef Robert Oswald sagte, die neue Betriebsvereinbarung setze einen Schlusspunkt "unter die wohl härtesten Verhandlungen, an die ich mich erinnern kann". Erstmals in der Geschichte der BASF hätten sich Unternehmen und Arbeitnehmervertretung auf einen Zielwert bei der Mitarbeiterzahl geeinigt: "Das ist für die Belegschaft ganz wesentlich und wichtig." Der Chemiekonzern hat seit 1990 am Standort Ludwigshafen bereits mehr als 22.000 Stellen abgebaut.

Das Stammwerk der BASF in Ludwigshafen gilt als der weltweit größte Chemieverbund. Nach Unternehmensangaben werden hier jährlich Waren im Wert von rund neun Milliarden Euro hergestellt. Davon gehen Waren im Wert von rund 7,5 Milliarden Euro an Abnehmer in Europa. Für rund 800 Millionen Euro werden Produkte nach Asien und für rund 300 Millionen Euro nach Nordamerika exportiert.

Quelle: afp

 
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