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Neuer Name der Kunststoff-Tochter steht fest
Bayer spaltet Covestro im Herbst ab

Bayer: Von der Farbenfabrik zum Weltkonzern
Bayer: Von der Farbenfabrik zum Weltkonzern FOTO: AP, AP
Leverkusen. Der neue Name der Kunststoff-Tochter steht fest. Mitarbeiter und Experten sind nicht begeistert. Womöglich noch in diesem Jahr will Bayer die Tochter an die Börse bringen – am liebsten klassisch. Von Antje Höning

Der Bayer-Konzern treibt die Abspaltung seiner Kunststoff-Tochter Bayer Material Science voran. Zum 1. September erhält sie den Namen Covestro. Er setzt sich laut Bayer aus den Begriffen "COllaboration" (englisch: Zusammenarbeit), InVESTieren und "STROng" (englisch: stark) zusammen. "Covestro steht für eine vielversprechende Zukunft als innovationsgetriebenes Polymer-Unternehmen", sagte Patrick Thomas, der als Covestro-Vorstandschef ebenso feststeht wie Finanzchef Frank Lutz.

So euphorisch sind nicht alle. Namenerfinder Manfred Gotta hält den Namen für missglückt und die Begründung lachhaft. "Der Name ist sperrig wie viele Kunstwörter, an den müssen wir uns erst gewöhnen", sagt Petra Kronen, die als Arbeitnehmervertreterin Aufsichtsrats-Vizechefin von Material Science ist. Ihr gefällt aber das neue Logo: Es greift den Kreis und das Blau-Grün des Bayer-Logos auf. "Covestro verleugnet hier seine Wurzeln als frühere Bayer-Tochter nicht, das macht den Abschied leichter", sagt Kronen. Das sei bei Lanxess 2004 anders gewesen. Damals konnten Bayer und das als Lanxess abgespaltene Chemie-Geschäft nicht schnell genug Abstand bekommen. Der Name Lanxess wurde übrigens aus "lancer" (französisch: starten) und "success" (englisch: Erfolg) gebildet.

Die britische Agentur Landor hat für Bayer den Namen Covestro gesucht. Zu den Kosten sagt Bayer nichts. Rund 100 Namen waren im Topf, für die Markenrechte, freie Domains im Internet und sprachliche Aspekte geprüft werden mussten. So darf der neue Name in keiner Sprache eine zweideutige oder verwirrende Bedeutung haben. Am Ende entschied der Vorstand sich für Covestro. Schon bald soll der Name an den Werken in Leverkusen, Krefeld und Dormagen stehen.

Am 1. September wird das Unternehmen mit seinen derzeit 14.000 Mitarbeitern abgespalten. Womöglich noch in diesem Jahr, spätestens aber bis Mitte 2016 soll es an die Börse gehen. Die Zeichen stehen auf einen klassischen Börsengang, bei dem Bayer die Aktien über die Börse an Investoren verkauft. Der Aufsichtsrat will in der zweiten Jahreshälfte entscheiden. Sollten die Börsen bis dahin einbrechen, würde der Konzern auf einen Spin-Off ausweichen. Dabei legt er den Bayer-Aktionären Covestro-Aktien ins Depot, das Unternehmen würden Schulden von Bayer mitnehmen müssen.

"Für das Selbstbewusstsein von Covestro wäre es gut, wenn Externe über die Börse kaufen. Für Bayer wäre es auch gut, weil so Geld in die Kasse käme", sagte Aufsichtsrätin Kronen. Laut Branchenkreisen setzt Bayer darauf, dass Covestro zehn Milliarden Euro wert ist. Zum Vergleich: RWE ist 13 Milliarden Euro wert. Covestro wird Europas viertgrößter Chemie-Konzern sein. Bayer kann frisches Geld gut gebrauchen: Der Konzern hat 19,6 Milliarden Euro Schulden.

Quelle: RP
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