Wirtschaftskrise: Bayer vor Kurzarbeit
VON ANTJE HÖNING - zuletzt aktualisiert: 22.01.2009 - 20:54 Düsseldorf (RPO). Wegen der Wirtschaftskrise drosseln immer mehr Unternehmen ihre Produktion. ThyssenKrupp schickt 10.000 Beschäftigte in Kurzarbeit, Lanxess reduziert die Arbeitszeit in Leverkusen und auch Audi hält die Bänder an.
Bayer: Bei der Kunststoff-Tochter von Bayer, "Bayer Material Science" (BMS), könnten einige Hundert der 5000 deutschen Mitarbeiter betroffen sein, wie es aus Unternehmenskreisen heißt.
In Abteilungsversammlungen informierten gestern Vorstand und Betriebsrat die Belegschaft in Leverkusen, Krefeld und Dormagen über den Stand der Verhandlungen. Bei Bayer hieß es dazu nur: "Die Verhandlungen mit den Betriebsräten über verschiedene Maßnahmen gehen nächste Woche weiter, dabei reden wir auch über Kurzarbeit."
Die Verhandlungen gestalten sich als schwierig. Zwar sehen auch die Arbeitnehmer ein, dass BMS in einer schwierigen Lage ist. Doch ihnen wäre eine Senkung der Wochenarbeitszeit von 37,5 auf 35 Stunden bei entsprechender Lohnkürzung oder eine allgemeine Lohnsenkung um zehn Prozent lieber.
Beides ist laut Chemie-Tarifvertrag möglich. Einer allgemeinen Lohnkürzung stimmen die Betriebsräte aber nur bei Gegenleistungen wie Beschäftigungssicherung zu. Die aber wolle der Konzern über die bestehende Sicherung bis Jahresende hinaus nicht geben, heißt es aus Gewerkschaftskreisen.
Auch eine vorübergehende Subventionierung durch die erfolgreichen Bayer-Töchter Health Care (Pharma) und CropScience (Pflanzenschutz) lehne der Konzern ab, beklagen sich Arbeitnehmer. Dabei hätten in früheren Jahren auch Gewinne aus der Kunststoff-Sparte Zukäufe für die nach dem Lipobay-Skandal notleidende Pharma-Sparte finanziert.
Grundsätzlich arbeitet jedoch jede Bayer-Sparte auf eigene Rechnung und hat auch eigene Rendite-Ziele: So sollte nach den ursprünglichen Vorgaben BMS 2009 eine Rendite (Gewinn/Umsatz) von 18 Prozent machen, Health Care von 28 Prozent und CropScience von 25 Prozent.
Lanxess: Bei Lanxess haben sich Betriebsrat und Unternehmen dagegen auf Kurzarbeit geeinigt. Das Chemie-Unternehmen hat für den Leverkusener Betrieb, der Hochleistungskautschuk ("Therban") herstellt, Kurzarbeit angemeldet, wie ein Lanxess-Sprecher unserer Redaktion sagte.
Der Kautschuk wird von der Autoindustrie für Zahnriemen verwendet. Betroffen sind 28 Mitarbeiter. Weitere Betriebe könnten folgen. Ebenso spricht das Unternehmen mit den Betriebsräten über eine mögliche Senkung der Arbeitszeit auf 35 Stunden.
ThyssenKrupp Bei dem Stahlriesen gehen 10.000 von 20.000 deutschen Mitarbeitern im Februar in Kurzarbeit. Betroffen sind die Standorte Duisburg, Bochum, Dortmund und einige Standorte im Sauerland, wie ein Sprecher gestern sagte. Maximal fünf Schichten sollen ausfallen. Das Einkommen der Mitarbeiter sinkt dadurch um bis zu zehn Prozent. Bleibt die Lage schlecht, wird in den kommenden Monaten über weitere Kurzarbeit verhandelt.
Audi Nachdem bereits Volkswagen, Daimler und Ford Kurzarbeit angekündigt haben, schließt auch Audi dieses Mittel nicht mehr aus. Ende Februar hält das Unternehmen für fünf Tage in Ingolstadt die Bänder an, teilte Audi mit.
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