Mitbestimmung bei Schaeffler: Bayerischer IG-Metall-Chef im Aufsichtsrat
zuletzt aktualisiert: 17.09.2010 - 16:33Herzogenaurach (RPO). Beim hoch verschuldeten Familienkonzern Schaeffler hat die Mitbestimmung Einzug gehalten. Der neue, paritätisch besetzte Aufsichtsrat trat am Freitag in Herzogenaurach zum ersten Mal zusammen und wählte Mitgesellschafter Georg Schäffler zum Vorsitzenden. Stellvertreter sind seine Mutter Maria-Elisabeth Schaeffler und der bayerische IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler.
Mit dem neuen Aufsichtsrat beginne bei dem Automobilzulieferer "eine neue Ära", sagte Wechsler. Jede strategische Entscheidung über Investitionen, Übernahmen und Geschäftsfelder sei künftig mitbestimmt. Dem Aufsichtsrat gehören je zehn Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter an. Wechsler begrüßte, dass Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler an der Spitze des Aufsichtsrats in führender Verantwortung für den Konzern mit seinen 65.000 Beschäftigten bleiben. "Das ist ein wichtiges Zeichen für die weitere nachhaltige und stabile Entwicklung dieses erfolgreichen Familienunternehmens", sagte der IG-Metall-Chef.
Georg Schäffler sagte: "Eine zentrale Aufgabe wird es sein, das Unternehmen dem Kapitalmarkt zu öffnen und dabei die Vorteile eines Familienunternehmens zu bewahren." Als ersten Schritt an den Kapitalmarkt hatte der verschuldete Konzern im Juni sein operatives Geschäft und seine Beteiligung an der Continental AG in einer Kapitalgesellschaft zusammengefasst. Die Fusion des familieneigenen Wälzlagerkonzerns mit dem börsennotierten Hannoveraner Autozulieferer könnte nach den Worten von Schaeffler-Geschäftsführer Geißinger Ende 2011 erfolgen - es gebe aber keine Eile, betonte er.
Versprechen im roten Schal eingelöst
Die Schaeffler-Gruppe hält 42 Prozent der Conti-Anteile und hat 5,9 Milliarden Euro Schulden. Weitere 33 Prozent der Conti-Aktien und 5 Milliarden Euro Schulden sind bei der Familienholding.
Unter dem Druck der drohenden Pleite hatte Maria-Elisabeth Schaeffler im Frühjahr 2009 im roten Schal den IG-Metall-Vorsitzenden Berthold Huber in Frankfurt am Main um Hilfe gebeten und die Einführung der Mitbestimmung vertraglich zugesagt. Wechsler sagte, Mitarbeiter, Manager und Familie hätten das Unternehmen zusammen gerettet. Jetzt müssten die Mitarbeiter "am Aufschwung und Erfolg des Unternehmens beteiligt werden". Die erste Aufsichtsratssitzung sei konstruktiv gewesen. Wie die Mitarbeiter beteiligt würden, sei noch offen.
Zu den zehn Arbeitnehmervertretern gehört auch der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Norbert Lenhard. Auf Kapitalseite im Aufsichtsrat sind Metro-Chef Eckhard Cordes, der zunächst als Aufsichtsratschef ins Auge gefasste ehemalige Schering-Chef Hubertus Erlen, Fraunhofer-Präsident Hans-Jörg Bullinger sowie der frühere bayerische Wirtschafrtsminister und Deutsche-Bahn-Vorstand Otto Wiesheu.
Schaeffler hat die Wirtschaftskrise überwunden und seinen Umsatz im ersten Halbjahr auf 4,6 Milliarden Euro gesteigert. Wegen der Lasten der Conti-Übernahme stand unter dem Strich jedoch ein Verlust von 260 Millionen Euro.
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