Bayers Stellenabbau geht langsam voran: Bei HealthCare sollen 700 Jobs wegfallen
VON ANTJE HÖNING - zuletzt aktualisiert: 06.01.2012 - 07:50Leverkusen (RP). Im Jahr 2010 hatte Bayer-Chef Marijn Dekkers die Streichung von 1700 Stellen in Deutschland angekündigt. Da Kündigungen ausgeschlossen sind, braucht er die Gewerkschaften. Widerstand regt sich bei der Pharma-Tochter HealthCare: Dort sollen trotz guter Aufträge 700 Stellen wegfallen.
Marijn Dekkers war erst wenige Monate Chef des Bayer-Konzerns, da schockte er im November 2010 die Belegschaft mit der Ankündigung, weltweit 4500 Stellen abbauen zu wollen, davon 1700 in Deutschland. Seit 14 Monaten nun verhandelt der Konzern mit den Arbeitnehmervertretern darüber, an welchem Standort welcher Arbeitsplatz verschwindet. Und diese Verhandlungen sind zäher, als der Niederländer mit amerikanischem Pass das von früheren Unternehmen in den USA kannte. Widerstand regt sich vor allem bei der Pharma-Sparte Bayer Health Care, heißt es in Konzernkreisen. „Die Gespräche sind sehr schwierig.“
Health Care soll in Deutschland 700 Stellen streichen. Aber wer in Leverkusen, Wuppertal, Berlin oder Bergkamen gehen muss, ist weitgehend offen. „Die Auftragslage ist gut, es stehen Einführungen von wichtigen Medikamenten an. Wie kann man da Stellen streichen?“, heißt es in Gewerkschaftskreisen.
Auf die Gewerkschaft aber ist Dekkers angewiesen - eine Abhängigkeit, die er als Chef von US-Firmen nicht kannte. Dort ging er forsch ans Werk. Vier Jahre nach seinem Antritt beim Laborausrüster Thermo etwa war die Hälfte der Führungskräfte nicht mehr auf ihrem Posten. Ganz anders bei Bayer: Der Betriebsrat setzte im Dezember durch, dass für die 24 500 Beschäftigten in Deutschland bis Ende 2015 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sind. „Wir sind sehr froh, dass wir den Mitarbeitern vier weitere Jahre Beschäftigungssicherheit geben können“, betonte Konzernbetriebsrats-Chef Thomas de Win gestern. Das heißt, wenn Bayer Stellen streichen will, müssen die Arbeitnehmer freiwillig gehen oder sich in wachsende Bereiche versetzen lassen.
So wie derzeit bei der Patentabteilung. Bayer schließt zwar seine Patent-Büros in Leverkusen, Berlin und Frankfurt und schickt eine neue Tochter „Bayer Intellectual Properties“ an den Start. Doch Stellen fallen kaum weg. Viele Mitarbeiter werden versetzt: von Leverkusen nach Monheim, von Berlin nach Schönefeld, von Frankfurt nach Eschborn.
Die Kunststoff-Tochter Bayer Material Science, die in Krefeld und Dormagen sitzt, hat Bayer ohnehin vom Abbau ausgenommen.
Der Leverkusener Konzern ist gleichwohl zuversichtlich, den Stellenabbau wie geplant bis Ende dieses Jahres umzusetzen. „Wir sind im Plan. Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmer-Vertretern laufen“, sagte der Konzern-Sprecher. Derzeit sei von den 1700 infrage stehenden Arbeitsplätzen bereits gut die Hälfte abgebaut beziehungsweise seien Aufhebungsverträge unterzeichnet worden, die im Lauf des Jahres wirksam würden. Beispiele:
Bei der Pflanzenschutz-Sparte Bayer CropScience werden an den Standorten Monheim und Frankfurt 300 Stellen gestrichen, 230 davon sind bereits klar.
In der Konzern-Verwaltung und bei den Service-Gesellschaften sollen 700 Jobs wegfallen. Davon stehen bereits einige fest: Zum Ende des vergangenen Jahres ist die werkseigenen Druckerei Dynevo geschlossen worden. Hier sind 150 Arbeitsplätze verschwunden.
Nun wird die Rechnungslegung umgebaut, die bislang zu 70 Prozent von der Tochter Euro Services erledigt wurde. In Deutschland fallen dadurch 300 Arbeitsplätze weg beziehungsweise werden verschoben, wie ein Sprecher sagte. Vor allem wird die Niederlassung Leverkusen kräftig gestutzt. Die Jahresabschlüsse für die vielen Bayer-Beteiligungen sollen nun in Barcelona und neuen Filialen in Osteuropa, Manila, China und Lateinamerika gefertigt werden. Dort sind die Löhne deutlich niedriger. In Leverkusen wird nur noch überwacht und die Bilanz für den Konzern erstellt.
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