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Deutschlands zweitgrößter Telefonkonzern
Bei Vodafone sollen 600 Mitarbeiter gehen

Deutschlands zweitgrößter Telefonkonzern: Bei Vodafone sollen 600 Mitarbeiter gehen
Der Vodafone-Campus in Düsseldorf-Heerdt. FOTO: dpa, Federico Gambarini
Düsseldorf. Erstmals in seiner Geschichte startet Deutschlands zweitgrößter Telefonkonzern Vodafone ein unternehmensweites Programm zum Abbau von Personal. Das erfuhr unsere Redaktion aus informierten Kreisen. Am Dienstagabend bestätigte eine interne Mail der Geschäftsführung an die Mitarbeiter den Beschluss. Von Reinhard Kowalewsky

Bis zu 600 von 10.500 Beschäftigten sollen mit dem Angebot halbwegs großzügiger Abfindungen dazu gebracht werden, das Düsseldorfer Unternehmen freiwillig zu verlassen. Die Offerte richtet sich an alle Mitarbeiter; gehen darf nur, wessen Vorgesetzter zustimmt. Weit mehr als 100 Millionen Euro hat Vodafone für das Programm vorgesehen, was im Schnitt auf eine Abfindung von mindestens 166.000 Euro pro ausscheidendem Mitarbeiter hinausläuft – sehr oft dürften es deutlich mehr als 200.000 werden. Gerade Jobs in der Konzernzentrale dürften von dem Personalabbau betroffen sein, berichten Insider.

Für jedes Beschäftigungsjahr im Unternehmen erhalten die Mitarbeiter knapp ein Monatsgehalt Abfindung. Ältere Mitarbeiter mit langer Betriebszugehörigkeit bekommen hohe Zuschläge. Die Abfindungen sollen aber begrenzt werden – im Gespräch sind drei oder vier Jahresgehälter. Die Belegschaftsvertreter geben sich wenig begeistert von dem Programm: "Da könnten einige gute Leute zugreifen und von Bord gehen", heißt es.

Ein Rundgang über den Vodafone-Campus FOTO: Bretz, Andreas

Teil des Sparprogramms "Fit für Wachstum"

Der Personalabbau ist Teil des Sparprogramms "Fit for growth" ("Fit für Wachstum"), mit dem Vodafone Deutschland netto 100 Millionen Euro der jährlichen operativen Kosten von zwei Milliarden Euro kürzen will. Die Unternehmensberatung Boston Consulting arbeitet daran mit; Jens Schulte-Bockum, Chef von Vodafone Deutschland, war früher selbst Berater bei McKinsey und hat mehrfach erklärt, dass die Zeiten für Vodafone härter geworden seien.

Tatsächlich bekommt das Unternehmen wegen fallender Preise für DSL und Mobilfunk immer mehr Gegenwind. Der Umsatz sank zwischen April und September 2012 um 6,1 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro, das operative Ergebnis (Ebitda) der früheren Gewinnmaschine schrumpfte um 12,6 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro, bei den Kundenzahlen zieht die Deutsche Telekom immer weiter davon. Ende September hatte sie 37,9 Millionen Mobilfunkkunden gegenüber nur noch 31,9 Millionen bei Vodafone als früherem Marktführer.

Wegen der hohen Zahl an wegfallenden Arbeitsplätzen wird Vodafone die Bundesagentur für Arbeit über das Abfindungsprogramm informieren. Externe Firmen sollen Mitarbeitern helfen, eine neue Stelle zu finden. Immerhin galt Vodafone Deutschland als Nachfolgefirma von Mannesmann D2 viele Jahre als eine der wichtigsten Jobmaschinen in der Region – erst vor einem Jahr wurde die neue Konzernzentrale in Düsseldorf-Heerdt eröffnet.

Schulte-Bockum will dennoch expandieren

Dass die guten Zeiten vorbei sind, merkten die Mitarbeiter spätestens im Dezember: Als Symbol des neuen Kurses hatte Schulte-Bockum alle von der Firma finanzierten Weihnachtsfeiern abgesagt. Außerdem setzte die Geschäftsführung nach viel Streit einen neuen Tarifvertrag im Servicebereich durch, bei dem neue Mitarbeiter mit 23.000 Euro im Jahr deutlich weniger Gehalt bekommen als früher.

Unabhängig vom Sparkurs will Schulte-Bockum expandieren. Bis 2015 sollen vier Milliarden Euro in den Ausbau des hiesigen Netzes gesteckt werden. Gleichzeitig wird die Übernahme von Deutschlands größtem Kabel-TV-Anbieter, Kabel Deutschland (KD) aus München, für rund zehn Milliarden Euro dieses Jahr vollzogen. Damit könnte man in großen Teilen Deutschlands erstmals schnellere Internetanschlüsse anbieten, als es die Telekom mit ihren DSL-Anschlüssen schafft.

Die Übernahme von KD schafft neue Chancen. Aber Ende 2014 könnten weitere Jobs wegfallen: Dann endet der Ausschluss von Kündigungen im Zusammenhang mit der Übernahme – gerade beim Marketing oder bei anderen zentralen Aufgaben drohen dann Umbauten.

Quelle: RP
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