Heute soll die Entscheidung fallen: Beim Karstadt-Poker liegen die Nerven blank
zuletzt aktualisiert: 02.09.2010 - 13:58Essen (RPO). Die Zeiten des Jubels sind vorbei. Wie groß war doch die Erleichterung, als mit Nicolas Berggruen endlich ein passender Investor für Karstadt gefunden wurde. Doch der Machtpoker im Streit um die Mieten macht die Zukunft der insolventen Warenhauskette immer wieder zu einer Zitterpartie. Doch nun scheint eine Lösung in Sicht.
Es ist ein neuer Tag der Entscheidung. In London kommt die Gläubiger-Versammlung zusammen, um die Frage der Mieten zu klären. Das Problem: Der deutsch-amerikanische Investor Nicolas Berggruen hatte den Kaufvertrag für Karstadt nur unter einer Bedingung unterschrieben – wenn die Mieten für die Häuser der Warenhauskette gesenkt werden. Doch das Immobilienkonsortium Highstreet kann sich mit Berggruen nicht einigen. Und dem Unternehmen gehören immerhin 86 der 120 Häuser.
Für die Beschäftigten ist damit ihre Zukunft erneut zu einer Hängepartie geworden. Und nach einem Medienbericht könnte es noch viel schlimmer kommen. Wie die "Financial Times" schreibt, bereitet Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg das Ende des Unternehmens vor. Falls die Londoner Verhandlungen scheitern sollten, wolle er am Abend sein Liquidationsszenario vorstellen.
Die Nerven liegen blank
Dies macht klar: Bei den Beteiligten liegen die Nerven blank. Denn schon seit Monaten zieht sich der Streit um die Mieten hin. Und so verwundert es nicht, dass der Insolvenzverwalter nun ein wenig Druck auf alle Beteiligten ausübt, bevor die Gespräche starten. Schließlich wurde bereits viermal ein wichtiger Gerichtstermin verschoben, da die Mietfrage nicht geklärt ist.
Und die Zeit drängt. Laut dem Insolvenzplan muss der Verkauf bis Ende September über die Bühne gebracht werden. Dazu fehlt aber noch die Zustimmung des Amtsgerichts Essen zu dem Plan. Das Gericht will am Freitag erneut zusammenkommen und endgültig entscheiden.
Görg jedenfalls zeigt mit seinen Überlegungen eins: Berggruen ist für ihn die Lösung und ein anderer nicht: Der Italiener Maurizio Borletti. Dessen Angebot hatte er scharf zurückgewiesen. Er hätte keine unterschriebenen Mietverträge mit Highstreet und sein Vorschlag enthalte wesentliche Lücken, auch sei die Finanzierung ungeklärt.
Borletti war mit einem Angebot um die Ecke gekommen, als die Bieterfrist bereits längst abgelaufen war. Die Skepsis war von Anfang an groß. Nur hat die Sache einen Haken: Borletti besitzt Anteile am Highstreet-Konsortium.
Schachzug für Borletti?
Und so erscheint der Poker um die Mieten fast wie ein Schachzug, um den Italiener doch noch an den Start zu schicken. Das jedenfalls möchte der Insolvenzverwalter verhindern. Er habe Teile des Briefes von Borletti an ihm veröffentlicht, denn "jeder der Beteiligten kann, soll und muss wissen, dass Borlettis Papiere nicht unterschriftsreif sind".
Dass Berggruen noch nicht abgesprungen ist, ist das einzig Positive an dem Geschacher um Karstadt. Wie lange er aber noch durchhält, ist fraglich. Wenn nicht sogar der Insolvenzverwalter ihm mit seinem Liquidationsplan zuvorkommt. Für die Beschäftigten jedenfalls heißt es heute hoffen und bangen. Hoffen, dass Highstreet zu der Einsicht kommt, dass Karstadt gerettet werden muss - und das dies derzeit glaubhaft nur mit Berggruen möglich ist.
Einen ersten Hoffnungsschimmer gab es am Mittag. Die Anleihe-Gläubiger des Warenhaus-Vermieters Highstreet stimmten dem Mietvertrag mit dem Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen am Donnerstag zu, wie Highstreet am Donnerstag mitteilte. Nun müssen die Mezzanine-Kapitalgeber - Mezzanine ist eine Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital - der Übereinkunft noch zustimmen.
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