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Umbau des Konzerns: Beitz stiftet Frieden bei Thyssen

VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 13.05.2009 - 08:07

Düsseldorf (RP). Im mit Massendemonstrationen umkämpften Umbau des ThyssenKrupp-Konzerns haben die Konfliktparteien Zuflucht bei einem 95-Jährigen gefunden: Die Industrielegende Berthold Beitz hat einen Kompromiss herbeigeführt.

Berthold Beitz (95), Stiftungschef und "Übervater" von ThyssenKrupp, hat zwischen Management und Arbeitnehmern geschlichtet  Foto: ddp
Berthold Beitz (95), Stiftungschef und "Übervater" von ThyssenKrupp, hat zwischen Management und Arbeitnehmern geschlichtet Foto: ddp

Im Streit um die künftige Struktur von ThyssenKrupp haben die Konfliktparteien nach Informationen unserer Zeitung Berthold Beitz um Schlichtung gebeten. Der 95-jährige "Übervater" des Dax-Konzerns, der nach dem Krieg den Krupp-Konzern neu aufgebaut hat und bis heute indirekt den größten Block der ThyssenKrupp-Stimmrechte kontrolliert, konnte die zuletzt heftig zerstrittene Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite des Mischkonzerns in der Nacht zu gestern versöhnen.

Nach Informationen aus Konzernkreisen wird heute im Anschluss an eine Sitzung des Aufsichtsrates eine so genannte "Essener Erklärung" verkündet, die den Kompromiss zwischen Arbeitnehmerseite und Arbeitgeberseite enthält. Dem Kompromiss zufolge hat Konzernchef Ekkehard Schulz sein Ziel, die Zwischen-Aufsichtsräte und -Vorstände unterhalb des Konzernvorstandes abzuschaffen, zwar weitgehend erreicht. Allerdings konnte die Arbeitnehmerseite große Teile ihrer bisherigen Mitbestimmungsrechte über Ersatzgremien wahren, die an die Stelle der bisherigen Mitbestimmungsgremien treten sollen.

Bislang besteht ThyssenKrupp unterhalb des Konzernvorstandes aus fünf noch selbstständigen AGs mit je eigenem Vorstand und eigenem Aufsichtsrat: Steel, Edelstahl, Technologies, Aufzüge und Services. Um Verwaltungskosten zu sparen und Entscheidungen in der jetzigen Wirtschaftskrise schneller umsetzen zu können, wollte Schulz fast alle dieser Zwischen-AGs abschaffen und das komplette Geschäft auch operativ über den zentralen Konzernvorstand führen. Betriebsräte und Gewerkschaften hatten in den vergangenen Wochen mehrere Großdemonstrationen gegen diesen Plan mobilisiert, weil sie in der Abschaffung der Zwischen-Aufsichtsräte, in denen sie mit insgesamt 50 Posten vertreten sind, eine Aushöhlung ihrer Mitbestimmungsrechte sehen.

Noch am späten Nachmittag ist gestern über die Kompromisslinie verhandelt worden. Heute soll der Konzernaufsichtsrat die entschärfte Variante des Konzernumbaus billigen. Eine Zahl zum geplanten Stellenabbau wird allerdings wohl auch heute nicht genannt. Bislang ist lediglich bekannt, dass ThyssenKrupp in der Stahlsparte kurzfristig 1800 bis 2000 Stellen streichen wird. Wieviele Stellen in den anderen Sparten und in der Verwaltung abgebaut werden, ist seit Wochen Gegenstand von öffentlichen Spekulationen. Es verdichten sich die Hinweise, dass ThyssenKrupp in der Summe aber weniger als 5000 Jobs streichen wird – inklusive der bereits bekannten Stahl-Stellen. Konzernchef Ekkehard Schulz hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, das er "davon ausgehe, im Rahmen des Konzernumbaus auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten" zu können.

ThyssenKrupp befindet sich derzeit in der schwersten Krise seit der Fusion von Thyssen und Krupp vor zehn Jahren. Im laufenden Geschäftsjahr erwartet ThyssenKrupp sogar einen Verlust, wie der Konzern gestern warnte: "In Abhängigkeit von der weiteren gesamtwirtschaftlichen Entwicklung wird ein negatives Ergebnis vor Steuern und wesentlichen Sondereffekten in mittlerer bis höherer dreistelliger Millionen-Euro-Größe erwartet." Im zweiten Quartal brach der Umsatz um 25 Prozent auf 9,9 Milliarden Euro ein. Vor Steuern stand ein Fehlbetrag von 455 Millionen Euro.

Quelle: RP

 
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