Autobauer in Not: Berlin prüft Schnellkredit für Opel
zuletzt aktualisiert: 24.02.2009 - 11:44Leipzig (RPO). Die Bundesregierung will dem akut gefährdeten Autobauer Opel möglicherweise mit einem Kredit unter die Arme greifen. Damit ließe sich schneller helfen als mit einer Bürgschaft. Ein direkter Einstieg, wie er zuletzt im Betriebsrat und den Bundesländern diskutiert wurde, stößt in Berlin auf Ablehnung. Derweil plant der Betreibsrat eine Großdemo für den Donnerstag.
Von der Rettungsoption durch Bereitstellung eines Kredits berichtet am Dienstag die "Financial Times Deutschland". Auch Bürgschaften seien weiterhin im gespräch. Eine Übernahme von Anteilen, wie sie Politiker von Union und SPD sowie mehrere Bundesländer in Betracht ziehen, finde dagegen in der Regierung keine Zustimmung, hieß es demnach aus Kreisen in Berlin.
Mit einem Kredit könnte der Bund Opel schneller unter die Arme greifen als mit einer Bürgschaft, bei der erst Banken gefunden werden müssten, die das Geld aufbringen. Die deutsche Adam Opel GmbH soll zunächst aus dem ebenfalls schwer angeschlagenen US-Mutterkonzern General Motors (GM) herausgelöst werden - was lange dauern würde. Da Opel einen Finanzbedarf in Milliardenhöhe decken muss, drängt die Zeit.
Die Chancen für eine Herauslösung aus dem komplizierten GM-Verbund sind inzwischen gestiegen. So war es am Montag aus der Opel-Zentrale in Rüsselsheim sowie in Regierungskreisen zu vernehmen.
Chancen auf Rettung gestiegen
Das Unternehmen sei auf dem Weg der Loslösung von GM, sagte Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz. Opel stehe im Kontakt mit den Regierungen in Deutschland, Belgien, Großbritannien, Österreich und Spanien. In diesen Staaten unterhält das Unternehmen Fabriken. Befristete Beteiligungen dieser Staaten sowie der vier betroffenen Bundesländer, darunter NRW, könnten Opel von GM unabhängig machen. Auch könnten dann andere Investoren bei Opel einsteigen. Der Opel-Aufsichtsrat werde am Freitag über dieses "europäische Modell" beraten.
Nach Informationen unserer Redaktion will die Bundesregierung direkte Eigenkapitalhilfen für Opel vermeiden, um einen Präzedenzfall für andere notleidende Firmen zu vermeiden, voran den angeschlagenen Zulieferer Schaeffler. Den Plänen zufolge sollen die Länder den jüngst um 100 Milliarden Euro erhöhten Bürgschaftsrahmen des Bundes für Firmen "inoffiziell" mitnutzen können, um ihren eigenen Bürgschaftsrahmen zu erhöhen: Der Bund bürgt für die Kreditwürdigkeit der Länder, die Länder bürgen für die Kreditwürdigkeit einer künftig unabhängigen Opel GmbH.
Unterdessen gab Opel bekannt, der Konzermutter GM mehr Zeit für die Zahlung fälliger Beträge einzuräumen. Würde Opel seine Forderungen rechtlich durchsetzen, so wäre dies "tödlich" für GM und damit auch für Opel, hieß es.
Großdemo am Donnerstag
Die Beschäftigten des deutschen Autobauers Opel wollen mit einer Großdemonstration für eine Loslösung vom angeschlagenen US-Mutterkonzern General Motors (GM) kämpfen. "Wir planen eine Großkundgebung vor der Opel-Zentrale in Rüsselsheim und an anderen GM-Standorten in Europa", sagte Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" von Dienstag. Die Beschäftigten wollten damit für ein europäisches Unternehmen demonstrieren, das die GM-Marken Opel und Vauxhall umfassen soll. Die insolvente schwedische Unternehmensschwester Saab soll dabei außen vor bleiben.
Ein neuen Unternehmen soll laut Franz offen sein für Beteiligungen von Autohändlern, Beschäftigten und Regierungen. Franz sagte, Ziel der Arbeitnehmer sei es, Entlassungen und Werksschließungen in Deutschland abzuwenden. GM will im Zuge eines Unternehmensumbaus außerhalb der USA 26.000 Mitarbeiter entlassen. Spekuliert wurde über den Verkauf des Opel-Werkes in Eisenach und die Schließung des Standortes Bochum.
Sollten Opel und Vauxhall aus dem GM-Konzern herausgelöst werden, könnten sie in einer neuen Europäischen Aktiengesellschaft (SE) zusammengefasst werden. Damit könnten sie auch Hilfen der Bundesregierung erhalten, da dann gesichert wäre, dass das Geld nicht in die USA abfließt. Der Aufsichtsrat von Opel kommt am Freitag zusammen, um über ein Zukunftskonzept zu beraten. Dies hat die Politik zur Voraussetzung für eventuelle staatliche Hilfen gemacht.
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