Jetzt doch: Bertelsmann vor Börsengang
zuletzt aktualisiert: 27.01.2006 - 10:14Gütersloh (rpo). Europas größter Medienkonzern Bertelsmann steht vor dem Börsengang. Die belgische Finanzgruppe Groupe Bruxelles Lambert, die 25,1 Prozent der Anteile am Gütersloher Medienriesen hält, kündigte am Freitag an, sie werde Mitte Mai von ihrem Recht Gebrauch machen, den Börsengang des Unternehmens zu verlangen.
Bertelsmann-Chef Gunter Thielen reagierte gelassen auf die Ankündigung. "Wir sind vorbereitet", sagte er. Der Konzern habe in den vergangenen Jahren seine Hausaufgaben gemacht. Die Lenkung des Unternehmens erfolge längst auf Grund international anerkannter Steuerungsgrößen. Der Konzernabschluss werde nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) erstellt. "Bertelsmann ist ein spannendes Unternehmen, das vor einer guten Zukunft steht", sagte der Manager.
Die Bertelsmann AG ist derzeit noch eine nicht börsennotierte Aktiengesellschaft. Die Aktienmehrheit von 57,6 Prozent ist im Besitz der Bertelsmann Stiftung. Weitere 17,3 Prozent hält die Gründerfamilie Mohn. Die Groupe Bruxelles Lambert, die im mehrheitlich im Besitz der Unternehmer Albert Frère und Paul Desmarais ist, hält 25,1 Prozent der Anteile. Doch sind davon davon 0,1 Prozent stimmrechtslos, so dass die Minderheitsaktionäre über keine Sperrminorität verfügen.
Die GBL hatte die Bertelsmann-Anteile 2001 im Tausch gegen ihren 30prozentigen Anteil an Europas größtem Fernsehkonzern RTL Group erhalten. Der damalige Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff hatte sich damals durch den Milliardencoup die Mehrheit an dem ertragsstarken Fernsehsender gesichert.
Die damals getroffene Vereinbarung räumte der GBL ausdrücklich das Recht ein, ihre Beteiligung - auch teilweise - an die Börse zu bringen. Die zwischenzeitlich verlängerte Frist zum Halten der Bertelsmann-Anteile läuft im Mai aus.
Der eigentliche Börsengang könnte dann nach Einschätzung aus Unternehmenskreise 2007 erfolgen. Familie und Stiftung würden allerdings auch in Zukunft keine weiteren Anteile verkaufen, so dass ihr Stimmanteil von 75 Prozent nicht verwässert werde, betonte ein Unternehmenssprecher. Damit wird die Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft, in der die Stimmrechte der Familie und der Stiftung gebündelt sind, auch weiterhin die volle unternehmerische Kontrolle über den Medienriesen behalten.
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