Krise bei Opel: Beschäftigte hoffen auf Investoren
zuletzt aktualisiert: 10.03.2009 - 12:33Berlin (RPO). Zur Rettung des angeschlagenen Autobauers Opel würde der Betriebsrat auch den Einstieg eines Finanzinvestors akzeptieren. "Derzeit können wir nicht wählerisch sein" sagte Opel-Gesamtbetriebschef Klaus Franz der Tageszeitung "Die Welt". So lange die Mitbestimmungsrechte garantiert würden, sei der Einstieg eines Finanzinvestors vorstellbar. Unterdessen erhöhte die IG Metall den Druck auf die Politik, Opel endlich zu Hilfe zu eilen.
Franz stimmte die Belegschaft auf schwierige Zeiten ein: "Wir werden zwei harte Jahre mit Verlust vor uns haben." Die Mitarbeiter müssten sich auf Stellenstreichungen, Gehaltsseinbußen und den Verkauf eines Werkes in Deutschland einstellen. Die Überkapazitäten bei dem Autobauer bezifferte Franz mit derzeit 20 Prozent. Das heiße aber nicht, dass ein Fünftel der Belegschaft abgebaut werden müsse. Im Werk Bochum sollen nach bestehenden Plänen in den kommenden drei Jahren 2.500 Stellen über Altersteilzeitmaßnahmen abgebaut werden.
Kritik an Kannegiesser
Unterdessen gibt es offenen Streit zwischen Opel und dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall. In einem Brief, der der Nachrichtenagentur AP vorliegt, werfen Opel-Chef Hans Demant und Gesamtbetriebsratschef Franz Verbandspräsident Martin Kannegiesser vor, dem Unternehmen in den Rücken zu fallen: "Es ist sehr befremdend, wie Sie als Vorsitzender von Gesamtmetall über ein Mitgliedsunternehmen richten". Der Verbandschef ignoriere die Auswirkungen einer Opel-Pleite auf zahlreiche mittelständische Zulieferer.
Kannegiesser hatte sich am Wochenende grundsätzlich gegen staatliche Hilfen zur Rettung der Autoindustrie ausgesprochen: "Wenn ein großer Automobilhersteller gescheitert ist, dann ist er gescheitert." Von der Pleite eines Unternehmens "geht die Autoindustrie nicht unter, davon geht die deutsche Wirtschaft nicht unter." Nicht alle Arbeitsplätze gingen dann zwangsläufig verloren.
Meine nennt Verhalten gegenüber Opel unverantwortlich
Der Betriebsratsvorsitzende des Bochumer Opel-Werks, Rainer Einenkel, drohte in der "Frankfurter Rundschau" mit neuen Demonstrationen der Mitarbeiter. Notwendig seien rasche Verhandlungen über ein staatliches Rettungspaket für Opel: "Andernfalls werden wir kreative Lösungen finden, die Arbeitsplätze zu retten", sagte Einenkel. Denkbar seien Resolutionen, Demonstrationen oder auch Informationsveranstaltungen als Ersatz für Streiks.
Auch der niedersächsische IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine forderte die Politik zum Handeln auf. "Es ist unverantwortlich, Opel Beihilfen zur Rettung der Arbeitsplätze zu verweigern, während Banken mit Milliarden von Steuergeldern unterstützt werden", sagte Meine. "Die Verursacher der Krise zu unterstützen und die Beschäftigten in der Realwirtschaft die Zeche zahlen zu lassen, werden wir niemals akzeptieren."
Der bayerische IG-Metall-Bezirksleiter Werner Neugebauer warnte in der "Passauer Neuen Presse" davor, Opel in die Insolvenz gehen zu lassen. "Opel hat 700 Zulieferer, davon eine ganze Reihe in Bayern." Eine Pleite des Autoherstellers werde 70 oder 80 Betriebe allein in Bayern mitreißen. Bei Opel gehe es um "Tausende von Arbeitsplätzen und Existenzen."
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