Opel-Rennen bleibt offen: Betriebsrat ist gegen Ripplewood-Einstieg
zuletzt aktualisiert: 14.07.2009 - 07:37Berlin (RP). Im Poker um die Übernahme des Autobauers Opel hat sich Betriebsratschef Klaus Franz klar gegen einen Einstieg des US-Investors Ripplewood ausgesprochen. Bekomme der Finanzinvestor den Zuschlag, könne der US-Mutterkonzern General Motors (GM) "alles beim Alten" lassen, warnte Franz laut "Handelsblatt" von Dienstag die Mitarbeiter. Laut "Bild" planen Ripplewood und der Interessent BAIC Gespräche mit dem Betriebsrat.
Gewinne die in Brüssel ansässige Ripplewood-Tochter RHJ International den Bieterwettkampf um Opel, "könnte GM das Ziel realisieren, alles beim Alten zu lassen", so Gesamtbetriebsratschef Franz in einem internen Schreiben an die Mitarbeiter. Ripplewood handle im Interesse von GM und wolle Opel so schnell wie möglich wieder an den US-Mutterkonzern verkaufen. "Zunächst könnte man sich über die Kredite, für die die Steuerzahler bürgen, etwas Zeit erkaufen, aber mit diesem 'Weiter so' wird das Unternehmen endgültig scheitern", schrieb Franz demnach.
Der IG-Metall Bezirksleiter und Opel-Aufsichtsrat Armin Schild stellte erneut klar, dass für die Belegschaftsvertreter der Interessent Magna der Wunschpartner sei. Einzig und allein der österreichisch-kanadische Autozulieferer habe bisher Sondierungsgespräche mit den Arbeitnehmervertretungen geführt, sagte der Aufsichtsrat der "Berliner Zeitung" . Immerhin gehe es um die Jobs von 28.000 Opel-Beschäftigten allein in Deutschland.
Bochum: Jahresproduktion 240000 Autos, Astra- und Zafira-Produktion, 5170 Mitarbeiter
Eisenach: Neuestes Werk, Corsa-Produktion, 1800 Mitarbeiter
Rüsselsheim: 15 600 Mitarbeiter, Stammwerk, Entwicklungszentrum, Insignia-Produktion
Kaiserslautern: 2400 Beschäftigte, Motoren-, Getriebewerk
Eigentümer: Derzeit gehört Opel zu 65 Prozent einer Treuhandgesellschaft, die vom Bund unterstützt wird. GM hält 35 Prozent
Bieter: Magna, BAIC und RHJI
Laut "Bild"-Zeitung wollen jedoch nun auch RHJ International und der chinesische Bieter BAIC offensiv auf den Opel-Betriebsrat zugehen. Wie das Blatt unter Berufung auf Verhandlungskreise berichtete, will das RHJ-Management in Kürze direkte Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern führen. Das Treffen werde voraussichtlich noch in dieser Woche stattfinden. Bei den Gesprächen wollen die Vertreter von RHJ International demnach unter anderem ihr Angebot näher erläutern und Widerstände in der Opel-Belegschaft abbauen.
Auch BAIC plant dem Bericht zufolge, offensiv um die Gunst der Arbeitnehmer zu werben. Sollten die Verhandlungen mit GM intensiviert werden, werde es auch persönliche Gespräche mit dem Opel-Betriebsrat geben, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Verhandlungskreise.
Wer bekommt den Zuschlag?
Aber wer bekommt letztendlich den Zuschlag für den traditionsreichen Autobauer? Einen Tag vor dem anvisierten Abschluss mit dem Zulieferer Magna hat der Finanzinvestor Ripplewood sein Angebot verbessert. Die NRW-Regierung ist gesprächsbereit.
Die NRW-Landesregierung zeigt sich im Bieterwettkampf um die Mehrheit beim traditionsreichen Rüsselsheimer Autobauer offen für neue Investoren. Sollte der belgische Finanzinvestor Ripplewood dem Opel-Werk in Bochum "eine langfristige Perspektive" bieten, werde man einen Einstieg "ergebnisoffen prüfen", erfuhr unsere Zeitung aus NRW-Regierungskreisen.
Der belgische Finanzinvestor RHJ International, eine Tochter der Ripplewood-Gruppe, hatte am Montag überraschend sein Kaufinteresse für die derzeit von einer Treuhandgesellschaft verwalteten europäischen Opel-Aktivitäten bekräftigt und ein detailliertes Angebot bis Ende der Woche angekündigt. Bisher galt der österreichisch-kanadische Zulieferer Magna im Konsortium mit russischen Partnern als Favorit.
Beim Gipfeltreffen im Mai hatten sich die Mehrheit der Mitglieder der Bundesregierung, die Ministerpräsidenten der Länder mit Opel-Standorten, darunter NRW-Regierungschef Jürgen Rüttgers (CDU), und die frühere Opel-Mutter General Motors (GM) auf Magna als bevorzugten Käufer geeinigt. Bund und Länder haben eine Staatsbürgschaft von 4,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt und daher ein Mitspracherecht. Das Angebot von Ripplewood war damals als erstes ausgeschieden, weil die Investoren zwei von vier deutschen Opel-Standorten dicht machen wollten.
Vorvertrag auf Eis
Doch Ripplewood hat deutlich nachgebessert und verhandelt seit einigen Tagen "zäh und engagiert" mit GM, wie aus Regierungskreisen zu erfahren war. Man befinde sich in einem "fortgeschrittenen Stadium", sagte ein Ripplewood-Sprecher. Die eigentlich für morgen anvisierte Unterzeichnung eines Vorvertrags zwischen GM und Magna wurde kurzfristig verschoben. Gerüchten zufolge bevorzugen einige GM-Manager den belgischen Finanzinvestor, um Opel später – rundum saniert – zurückerwerben zu können. Neben Magna befindet sich auch der chinesische Autobauer BAIC weiterhin in Verhandlungen mit der GM-Spitze.
Die vom Ex-Dresdner-Bank-Manager Leonhard Fisher geführte Investorengruppe RHJI verspricht nun, alle vier deutschen Opel-Standorte zu erhalten. Das Bochumer Werk soll als "Markenidentität" bestehen bleiben, heißt es. Europaweit sollen 10 000 Jobs, davon in Deutschland 2000 bis 3000 abgebaut werden. Eine ähnliche Größenordnung hat auch Magna vorgesehen. Allerdings verlangen die belgischen Investoren "nur" 3,8 Milliarden Euro staatliche Kreditgarantien. Magna strebt eine Staatsbürgschaft von insgesamt 4,5 Milliarden Euro an.
Die Reaktionen in der Politik sind widersprüchlich. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) will "mit allen Interessenten sprechen", die sich ernsthaft an den Bund wenden. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU), SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier und die Opel-Belegschaft halten an Magna fest. Das Angebot des staatlichen chinesischen Autobauers BAIC hat dagegen nur "Außenseiterchancen", berichtete ein Regierungsmitglied gestern.
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