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Gefahr für Patienten nicht ausgeschlossen: Betrugsvorwurf gegen McZahn

VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 14.08.2008

Düsseldorf (RP). 30 Polizeibeamte und sieben Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft Wuppertal haben schon am Dienstag die Privatwohnungen von drei Vorständen der Zahn-Discounter-Kette McZahn sowie deren Hauptverwaltung in Willich durchsucht. Bei der Razzia wurden mehrere Dutzend Kartons mit Akten, Schriftwechseln und Festplatten sichergestellt.

Foto: djd, ddp

Der Verdacht: Die McZahn AG soll seit September vergangenen Jahres so genannte Konformitätserklärungen gefälscht haben. Der Gesetzgeber schreibt solche Urkunden zwingend vor, wenn Zahnärzte ihren Patienten Zahnersatz aus dem Ausland einsetzen.

Sie garantieren, dass die Brücken, Implantate und Prothesen keine gesundheitsgefährdenden Stoffe enthalten. McZahn hat seine Patienten überwiegend mit preiswertem Zahnersatz aus China versorgt. "Wir wissen nicht, wie viele Patienten betroffen sind", sagte gestern der ermittelnde Staatsanwalt Wolf-Tilmann Baumert, "aber aus der Schadenshöhe lässt sich schließen, dass es mehrere Tausend sein müssen."

Die Kassenzahnärztliche Vereinigung Nordrhein fordert laut Baumert von der McZahn AG 860.000 Euro zurück. Begründung: Was nicht per Konformitätserklärung für unbedenklich erklärt wurde, darf auch nicht abgerechnet werden. Deshalb ergänzt die Staatsanwaltschaft ihren Vorwurf der Urkundenfälschung um den Verdacht auf Abrechnungsbetrug. Drohendes Strafmaß: Bis zu fünf Jahren Haft, im besonders schweren Fall sogar zehn Jahre.

"Unüberbrückbarer Meinungsverschiedenheiten"

Die Willicher McZahn AG wies die Vorwürfe zurück und belastete den McZahn-Gründer und Ex-Vorstandschef Werner Brandenbusch. Bis Ende Juni sei der Zahnersatz inklusive der fraglichen Urkunden eigenverantwortlich über eines seiner Unternehmen eingeführt worden.

Brandenbusch sei zum 25. Juni wegen "unüberbrückbarer Meinungsverschiedenheiten" aus der McZahn AG ausgeschieden. Es sei "richtig", dass seine Firma "so genannte Konformitätserklärungen für aus China eingeführten Zahnersatz zeitweise formal nicht ordnungsgemäß ausgestellt haben soll."

Die Frage, welches Risiko für McZahn-Patienten besteht, die mit dem eventuell nicht zertifiziertem Material aus China versorgt wurden, ist offen. Baumert kann "nicht ausschließen, dass eine Gefahr besteht." Erkenntnisse dazu habe er aber nicht.

Auch der Kassenzahnärtztliche Bundesvereinigung sind keine Fälle bekannt, in denen Patienten Schäden durch eine McZahn-Behandlung davongetragen hätten. Allerdings gebe es mehrere Fällen in den USA, bei denen Zahnersatz aus China wegen giftiger Schwermetall-Anteile Zahnärzte beunruhigt hatte, so ein Sprecher.

Quelle: RP

 
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