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Post Datenaffäre, Panorama, ddp 2009-0613
  Foto: ddp, ddp
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Datenskandal, drohender Streik: Bewährungsprobe für Post-Chef Appel

VON REINHARD KOWALEWSKY - zuletzt aktualisiert: 15.06.2009 - 11:50

Düsseldorf/Bonn (RP). Die Post hat nun auch einen Datenskandal, wegen geplanter schlechterer Tarifverträge droht Streik – und die Arcandor-Krise sorgt für Turbulenzen. Postchef Appel steht vor einer Bewährungsprobe.

Zuerst Telekom, dann Bahn, jetzt die Post: Seit diesem Wochenende wird nun auch der dritte Konzern, der früher ein reiner Staatsableger war, von einem Datenskandal erschüttert. Ausgerechnet die Post, der das Briefgeheimnis so heilig ist, sammelte in mindestens zwei Niederlassungen heimlich Informationen über die Krankheiten ihrer Mitarbeiter.

Das Ziel war offensichtlich Krankfeierer zu enttarnen und schwächere Mitarbeiter in den Vorruhestand zu drängen. "Wir tolerieren dieses Vorgehen nicht", erklärte eine Konzernsprecherin denn auch am Samstag. Das Unternehmen werde ähnliche Fehlgriffe nicht hinnehmen.

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Weltkonzern Post

Mit 510.000 Mitarbeitern, davon 170.000 hierzulande, gehört die Post zu den größten Unternehmen der Welt.

Beim Umsatz hängt sie mit 54 Milliarden Euro die meisten deutschen Konzerne ab; doch ihr Börsenwert von 13 Milliarden Euro ist bescheiden.

Noch immer hängt der Post die Missglückte USA-Expansion unter Ex-Chef Klaus Zumwinkel nach: Sieben Milliarden Euro wurden versenkt.

Mit dem Skandal verschärft sich die sowieso schwierige Lage für einen der größten Konzerne. Mächtig Krach mit der hiesigen Belegschaft droht, weil Vorstandschef Frank Appel und sein für das Briefegeschäft zuständiger Vorstand Jürgen Gerdes längere Arbeitszeiten bei bestenfalls gleich hohem Lohn durchsetzen wollen – schon jetzt legt Gerdes in diesem Sommer 16 der 82 Briefverteilzentren an den Wochenenden still, um Geld zu sparen und Überstunden abzubauen. Außerdem schließt der Konzern ab Juli sein deutsches Nachtflugnetz – gut für die Umwelt, aber nicht gut für das Tempo der Auslieferung.

Die Inhaber sind sauer, weil die Aktie Gelb sich mies entwickelte. Die Post verlor im vergangenen Jahr fast die Hälfte ihres Wertes; der Schnitt anderer Papiere im Dax-30 ging nicht einmal um ein Drittel nach unten. Und falls Arcandor am Ende des Konkursverfahrens untergeht, sind bei der Post 4000 Stellen gefährdet, weil so viele Mitarbeiter für Arcandor große Teile der Logistik- und Lagerhaltung übernehmen.

Hektisch versuchen Appel und sein Team den Arcandor-Auftrag zu retten – immerhin geht es um ein Volumen von geschätzt 500 Millionen Euro pro Jahr.

Doch falls die Karstadt-Kaufhäuser und auch Quelle an Kaufhof und den Otto-Versand gehen, ist der Job wohl weg: Sowohl der Kaufhof wie die Otto-Gruppe haben eigene Dienstleister für Logistik und Lager. Die größte Schlacht tobt rund um das Geschäft mit Briefen. Nachdem der Konzern jahrelang von den Gewinnen im noch immer teilweise vor Wettbewerb geschütztem Zweig lebte, zeigen sich nun Schwächen: Um ein Viertel sinkt der bisher bei 2,2 Milliarden Euroliegende operative Gewinn der Briefsparte dieses Jahr, erwarten Analysten. Denn alle zwölf Monate geht die Zahl versandter Schriftstücke um mindestens zwei Prozent zurück, aktuell spürt der Konzern sogar viel härtere Einbußen

Streng geheim plant der Vorstand nach Informationen unserer Zeitung in den meisten Großstädten Betriebsversammlungen vorrangig für die Briefträger, um für günstigere Tarifregeln ab voraussichtlich nächstem Jahr zu werben.

Gegenüber unserer Zeitung gibt sich Verdi-Vorstand Andrea Kocsis, die auch stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Post ist, knallhart: "Es gibt keinen Grund, die laufenden Verträge zu kippen. Und ein neuer Vertrag wird in ordentlichen Verhandlungen ausgehandelt, und da stehen uns alle Mittel zur Verfügung, unsere Position deutlich zu machen. Bis hin zum Streik."

Mehr als 70 Prozent der PostMitarbeiter sind bei Verdi – ein Streik hätte also Erfolgschancen. Personalkosten machen beim Briefgeschäft weit mehr als 50 Prozent der Ausgaben aus. Was das bedeutet: Die Belegschaft kann sich gut wehren, aber das Unternehmen muss Erfolg haben, um die Wende zu schaffen. Die Zeichen stehen auf Sturm.

Quelle: RP

 
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