Teure Rohstoffe, hohe Energiekosten: Bier wird zehn Prozent teurer
VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 02.07.2008 - 09:17Berlin (RPO). Höhere Rohstoffkosten und gestiegene Energiepreise machen den Brauereien zu schaffen. Die zweitgrößte Brauerei-Gruppe in Deutschland, der Inbev-Konzern, verlangt ab September ein Euro mehr pro Kasten.
Die drastisch gestiegenen Energiekosten führen nun auch bei Deutschlands Brauereien zu Preiserhöhungen. Wie unsere Readktion aus Unternehmenskreisen erfuhr, will die belgisch-brasilianische Inbev-Gruppe, mit einem Marktanteil von rund 15 Prozent zweitgrößte Brauerei in Deutschland, ab September den Bierpreis um rund zehn Prozent erhöhen. Ein Kasten Bier soll demnach rund einen Euro mehr kosten. Entsprechende Preislisten wurden bereits an die Getränkegroßhändler versandt.
Sollte der Einzelhandel den Vorstellungen der Brauerei folgen, kostet beispielsweise ein Kasten Diebels Alt im Fachhandel statt 10,99 Euro dann knapp 12 Euro. Der Preis für ein Zehn-Liter-Fass würde um 80 Cent auf knapp 18 Euro steigen. Auch die Marken Beck’s und Hasseröder gehören zur Inbev-Gruppe und würden entsprechend teurer.
Seit Jahren sinkende Bierlust der Bürger
Ob die Getränkehändler die Preiserhöhungen an die Verbraucher weitergeben, ist fraglich. „Eine vollständige Überwälzung können wir uns angesichts der Konsumzurückhaltung nicht erlauben“, kündigt Ralph Krahl, Geschäftsführer des Krefelder Getränkehändlers Trinkgut an.
Trotz bierseliger Fußball-EM und einem heißen Sommer leiden Brauerei und Getränkehandel unter der seit Jahren sinkenden Bierlust der Bürger. Mit 111,7 Litern tranken die Deutschen 2007 rund viereinhalb Liter weniger als im Vorjahr. Binnen zehn Jahren ist der Pro-Kopf-Verbrauch sogar um 20 Liter zurückgegangen. Das konnten auch die neuen Biermix-Getränke nicht kompensieren.
Die Preisschübe bei Energie und Rohstoffen können die Brauereien offenbar nicht mehr auffangen. Schon im Frühjahr dieses Jahres hatten die Brauereien Krombacher, Radeberger und Veltins die Preise um einen Euro pro Bierkasten erhöht. „Die Kosten für die Produzenten werden weiter auf breiter Front steigen“, sagt Peter Hahn, Geschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes (DBB).
Weitere Preisrunde im Frühjahr
Die Pläne der Inbev-Gruppe bestätigt Hahn gegenüber unserer Redaktion. Inzwischen würden die Energiekosten bei einigen Brauereien schon 20 Prozent der Gesamtproduktionskosten ausmachen, so Hahn. Hinzu kommen gestiegene Transportkosten aufgrund der hohen Spritpreise. Für das Frühjahr 2009 erwartet der Verband eine weitere Preisrunde.
„Sollten sich Rohstoffe und Energie weiter verteuern, muss Bier im nächsten Jahr noch mal teurer werden“, bestätigt Michael Huber, Chef der Privatbrauerei Veltins gegenüber unserer Zeitung. Ähnlich äußerte sich Michael Schnitzler, Geschäftsführer der Düsseldorfer Hausbrauerei Uerige. „Preisanpassungen sind 2009 sehr wahrscheinlich.“
Für seinen Betrieb hätten sich die Energiekosten in einem Jahr nahezu verdoppelt, berichtet Schnitzler. Genaue Preis-Kalkulationen seien aber noch nicht möglich, weil die Qualität der Braugersten-Ernte abgewartet werden müsste.
Harter Kampf um Marktanteile
Die Bier-Branche steht nicht nur wegen der gestiegenen Energiekosten unter Druck. Intern läuft ein harter Kampf um Marktanteile, der durch die geplante Großfusion der Inbev-Gruppe mit der US-Brauerei Anheuser Busch (gemeinsamer Weltmarktanteil: 25 Prozent) noch schärfer wird.
Experten befürchten, dass die Marktmacht des Biergiganten einige traditionelle deutsche Privatbrauereien in die Knie zwingen könnte. Ärger droht zudem aus Brüssel. Dort streben Gesundheitspolitiker der EU ein schärferes Werbeverbot für Alkohol, die Untersagung des Sport-Sponsoring und Beschränkungen etwa beim Nachtverkauf in Tankstellen an.
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