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Bilanz
Eon-Manöver mit Kentergefahr

Bilanz: Eon-Manöver mit Kentergefahr
Eon-Chef Johannes Teyssen. FOTO: dpa, ve gfh
Meinung | Essen. Zum ersten Mal präsentierte Eon seine Bilanz in der neuen Konzernzentrale in Essen, nachdem der Konzern zum Jahreswechsel aus Düsseldorf weggezogen war. Besser sind die Zahlen nicht geworden. Der Verlust hat sich gegenüber dem Vorjahr auf sieben Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Das ist ein historischer Tiefstand für den größten deutschen Energiekonzern. Von Antje Höning

Wie Konkurrent RWE am Tag zuvor sieht sich auch Eon als Schiff in einem vom Staat verursachten Orkan. Man segele hart am Wind, erklärte Finanzchef Michael Sen. Immerhin wähnt sich der Konzern schon mit Wind, also mit erneuerbaren Energien, unterwegs. Doch ein Kentern ist nicht ausgeschlossen.

Das gilt vor allem für die Tochter Uniper, in die Eon seine Problemgeschäfte, die Stromerzeugung mit Kohle- und Gaskraftwerken sowie das Russland-Geschäft ausgegliedert hat. Im Herbst soll Uniper an die Börse gehen. Doch wer soll die Aktie kaufen? Was ist die Wachstums-Story? Mit der konventionellen Stromerzeugung, die einen großen Teil des Uniper-Geschäfts ausmacht, wird man über Jahre kaum Geld verdienen. Der Absturz der Großhandelspreise für Strom ist erst zu einem kleinen Teil in den Bilanzen angekommen. Auch in Russland (Rubelschwäche!) ist noch keine Besserung in Sicht. Hohe Dividenden können die Anleger nicht erwarten. Für 2015 hat Eon die Dividende bereits aus der Substanz gezahlt. Das wird es nicht noch einmal geben.

Eon ruft nach staatlich organisierter Hilfe – für eine Kraftwerksreserve (Kapazitätsmarkt) und beim Atomausstieg. Doch "Hartz IV" für Kraftwerke, das hat Wirtschaftsminister Gabriel klar gemacht, wird es nicht geben.

Wenn Eon-Chef Johannes Teyssen einst als erfolgreicher Lotse von Bord gehen will, muss er Uniper mehr mitgeben als Schulden und die Aussicht auf fragwürdige Staatshilfe. Als abgetakelter Schoner wird Uniper keine Chance haben.

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