Kölner U-Bahnbau: Bilfinger Berger will Missstände aufklären
zuletzt aktualisiert: 18.02.2010 - 12:27Köln (RPO). Der beim Bau der Kölner U-Bahn federführende Baukonzern Bilfinger Berger hat eine schonungslose Ursachenforschung im Zusammenhang mit den Unregelmäßigkeiten an der Großbaustelle zugesichert. In den vergangenen Tagen war bekanntgeworden, dass viel zu wenig Sicherungseisen für die Schlitzwände verbaut wurden und mehrere der vorgeschriebenen Vermessungsprotokolle offenbar gefälscht sind.
"Der Umgang mit den Schlitzwand-Vermessungsprotokollen ist völlig unakzeptabel und muss umfassend aufgeklärt werden", erklärte Bilfinger-Berger-Vorstandschef Herbert Bodner in einem am Donnerstag veröffentlichten Brief an Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD). Trotz der fehlerhaften Messprotokolle sei die Standsicherheit der Baustelle aber nicht gefährdet.
"Der fehlende Einbau von Schubhaken an den Stoßstellen der Schlitzwandbewehrung ist für mich als Bauingenieur unbegreiflich und mir in meiner langjährigen Berufserfahrung noch nicht untergekommen", räumte Bodner ein. Dennoch seien die Bauwerke selbst unter der Annahme generell fehlender Schubhaken standsicher. Vorsorglich werden in der Baugrube Heumarkt inzwischen weitere Sicherungsmaßnahmen ergriffen.
Durch "enge Kooperation mit dem Auftraggeber und den beteiligten Behörden sowie durch offene Kommunikation" wolle das Unternehmen dazu beitragen, das Vertrauen in die Baumaßnahme wieder herzustellen, betonte Bodner weiter.
Der baupolitische Sprecher der Grünen im Landtag, Horst Becker, warf den Behörden vor, bei dem Bauskandal viel zu spät reagiert zu haben. Nach dem Einsturz des Stadtarchivs vor einem Jahr hätte man sofort prüfen müssen, wo die Ursachen lagen und welche Gefahrenmomente es noch im gesamten U-Bahnbau gibt, sagte Becker im Deutschlandradio Kultur. Bei einem solchen Unglück bestehe eigentlich ein hinreichender Anfangsverdacht dafür, dass an irgendeiner Stelle "nicht alles ordentlich gelaufen" sei. Da hätte man, "längst die Frage auch der Festigkeit der Wände an anderen Stellen prüfen müssen", fügte Becker hinzu.
Es sei auch nicht in Ordnung, dass erst Monate nach dem Unglück entdeckt wurde, dass offenbar Vermessungsprotokolle gefälscht wurden. Die Frage der Verantwortung für die Vorgänge sei nicht so leicht zu klären. "Es gibt sozusagen eine durchorganisierte Verantwortungslosigkeit", sagte der Grünen-Politiker.
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