Ökologischer Anbau soll gefördert werden: Bio-Branche boomt
VON JENNIFER TÖPPERWEIN - zuletzt aktualisiert: 04.09.2007 - 14:25Düsseldorf (RPO). Bio-Produkte sind wortwörtlich in aller Mund. Der Markt legte im vergangenen Jahr mit einem Umsatzplus von fast 20 Prozent kräftig zu, die bewirtschaftete Fläche stieg hingegen nur um 2,3 Prozent. Die Branche befindet sich auf dem Höhenflug. Doch wie gut ist Bio wirklich?
Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖWL) spricht von einer widersprüchlichen Situation. "Wir haben Höhenflüge beim Marktwachstum und gleichzeitig einen historischen Tiefstand bei den Zuwächsen ökologisch bewirtschafteter Fläche", fasst Geschäftsführer Alexander Gerber zusammen.
Der Markt 2006 verzeichnete einen um 18 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro gestiegenen Umsatz. Die Bio-Fläche dagegen legte nur um marginale 2,3 Prozent auf insgesamt 825.539 Hektar zu.
Der ökologische Anbau müsse gesteigert werden – für die Umwelt und die Nachhaltigkeit der Landnutzung. Ein Wachstum könne dadurch erreicht werden, dass Bund und Länder "endlich ihre Möglichkeiten ausschöpfen, um die Wettbewerbskraft heimischer Unternehmen zu stärken", ergänzt BÖWL-Vorstand Thomas Dosch. Eine Möglichkeit dazu wäre die leistungsgerechte Honorierung von Umweltleistungen.
Honorierung der Bio-Bauern gefordert
Das verlangt auch Matthias Wolfschmidt von der Organisation Foodwatch im Gespräch mit unserer Redaktion. Er fordert, der Gesetzgeber müsse vorschreiben, dass Landwirte für ihre Umweltkosten selbst aufkommen sollten – und nicht mehr die Gesellschaft. Bio-Bauern hätten diese Ausgaben nicht, würden so entlastet.
Zudem könnten so die Preise der ökologischen und der konventionell hergestellten Lebensmittel angenähert werden. Denn: Produktion, Verarbeitung und Vertrieb sind bei Bio-Lebensmitteln teurer, da beispielsweise die Tierhaltung mehr kostet und die wenigen Biobauern längere Anfahrtswege haben. Das sei ein großes Manko.
Teure Bio-Produkte schrecken Verbraucher immer noch ab. Dabei sind sie auf jeden Fall besser und gesünder als konventionell hergestellte Lebensmittel, erklärt Wolfschmidt. Sie enthalten wesentlich weniger Pestizidrückstände und Zusatzstoffe, achten auf eine gerechte Tierhaltung und die Klimaeffekte fallen durch den verwendeten Mineraldünger wesentlich günstiger aus.
Discounter haben schon vor längerer Zeit mit eigenen günstigeren ökologischen Produkten nachgelegt. Im Grunde sei es nach Wolfschmidt nicht relevant, wo man Bio einkauft. Discounter, ökologische Supermärkte und der Bauer verfolgen dieselben EU-Standards. Der Verbraucher müsse nur auf die Bezeichnungen „Bio“, „ökologisch“, „biologisch“, „organisch“ oder auf das sechseckige Bio-Siegel achten. Allerdings verwenden einige Anbauverbände in Deutschland noch höhere Standards. Die drei größten sind Dementer, Bioland und Naturland. Ihre Produktauswahl ist zudem wesentlich größer ist als die von den Discountern.
Neue Qualitätskontrollen
Die Qualität der gesunden Produkte soll noch besser gesichert werden. Meinrad Schmitt vom Naturkostgroßhandel Terra hält in Bezug auf die Sicherheit von Importware zusätzlich zu der vorgeschriebenen Kontrolle auch eigene Maßnahmen für notwendig. Dazu haben deutsche Bio-Großhändler gemeinsam Tochterunternehmen gegründet, die für sie nicht nur den Import von Bio-Ware organisieren, sondern mit Agraringenieuren vor Ort die landwirtschaftlichen Betriebe betreuen.
"Wichtig ist", so Schmitt, "dass auch die liefernden Betriebe im Ausland bekannt sind und ein direkter Kontakt zu ihnen besteht. Nur so entsteht die für die Produktsicherheit notwendige Transparenz." Durch die Maßnahmen könnten zudem Pestizidrückstände besser beurteilt werden.
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