Bestellung im Internet: BKA warnt vor gefälschten Arzneimitteln
zuletzt aktualisiert: 28.04.2008 - 13:00Berlin (RPO). Das Bundeskriminalamt weist darauf hin, dass Verbraucher bei der Bestellung von Arzneimitteln im Internet vorsichtig sein sollten. Besonder Sportler-Anabolika, Schlankheitspillen und Potenzmittel seien häufig gefälscht.
Insgesamt gibt das Bundeskriminalamt für Deutschland in Sachen gefälschte Arzneimittel jedoch vorerst Entwarnung. "Die Lage ist nicht so dramatisch wie vermutet", sagte BKA-Experte Frank Lippert am Montag in Berlin. Dies gelte aber nur für den legalen Kauf in Apotheken. Wer Medikamente aus dubiosen Quellen im Internet bestellt, setze sich erheblichen Gefahren aus.
Insgesamt hat das BKA nach Lipperts Angaben seit 1996 nur 49 Fälle von Arzneimittelfälschungen in der legalen Verteilerketten über freie, Krankenhaus-, oder zugelassene Internet-Apotheken registriert, davon 38 "mit Bezügen nach Deutschland". Dabei handelt es sich um gefälschte Packungen oder Beipackzettel, aber auch um Fälle, bei denen der Wirkstoff gestreckt war oder ganz fehlte. Elf so genannte Totalfälschungen wurden entdeckt.
Über 99 Prozent der Mittel aus Apotheken sicher
Mehr als 99 Prozent der legal vertriebenen Medikamente in Deutschland sind völlig korrekt hergestellt und gekennzeichnet, wie auch das Gesundheitsministerium bestätigt. Noch seien auch keine Beeinträchtigungen oder Todesfälle durch legal erworbene Arzneien in Deutschland bekannt geworden, sagte Ministeriumsvertreter Arnold Schreiber.
Dennoch halten die Experten Arzneimittelfälschungen und Verunreinigungen für ein weltweit wachsendes Problem. Zuletzt machte der Fall verunreinigten Heparins aus China Schlagzeilen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO habe 2006 ihre Schätzung für den Fälschermarkt von etwa zehn Prozent in Entwicklungsländern auf bis zu 30 Prozent hochgesetzt, sagte Schreiber.
Bei jeder zweiten Malaria-Arznei in Südostasien seien zuletzt Manipulationen festgestellt worden, meist eine Unterdosierung des Wirkstoffs, die schwerwiegende Folgen für die Patienten haben könne.
Hersteller wollen schärfere Kontrollen
Gefahren sehen BKA und Ministerium vor allem auf dem Markt für Sportler-Anabolika, Schlankheitspillen oder Potenzmittel, die aus Gründen der Diskretion häufig über das Internet bezogen werden.
BKA-Experte Lippert betonte, dass in diesem Schwarzmarkt enorme Gewinnspannen steckten, die zu Manipulationen reizen: So könnten aus Rohstoffen für 100 Euro Anabolika zum Verkaufspreis von 10.000 Euro hergestellt werden. Vereinzelt gebe es Hinweise auf organisiertes Verbrechen.
EU-weit wurden nach Angaben des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller in den fünf Jahren bis 2006 immerhin 170 gefälschte Arzneien entdeckt, die über illegale Vertriebswege wie das Internet angeboten wurden. Hier hätten Lifestyle-Medikamente, Wachstumshormone zum Muskelaufbau und Schlafmittel eine große Rolle gespielt.
Die Hersteller versuchten inzwischen, ihre Produkte gezielt zu schützen, etwa durch Sicherheitsetiketten mit Hologrammen, Mikrozeichen oder 2-D-Barcodes. Nötig seien aber noch bessere Arzneimittel-Identifikationssysteme, erklärte VFA-Hauptgeschäftsführerin Cornelia Yzer. Darüber hinaus müssten Zollkontrollen intensiviert und Strafen verschärft werden.
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