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Lob von Aktionären: BMW-Chef bekennt sich zum Standort Deutschland

zuletzt aktualisiert: 12.05.2005 - 18:13

München (rpo). So mancher deutscher Konzernchef muss derzeit auf der Hauptversammlung seines Unternehmens durch das Kreuzfeuer der Kritik seiner Kleinaktionäre gehen. Nicht jedoch BMW-Chef Helmut Panke. Der muss höchstens aufpassen, dass ihm das Lob vieler Anleger nicht zu Kopfe steigt.

"BMW ist gut aufgestellt, wir werden ein gutes Ergebnis haben, auch wenn der Wind rauer wird", lobte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Klaus Schneider, nannte es erstaunlich, dass "geradezu mit Selbstverständlichkeit neue Rekorde erzielt werden".

Seit nunmehr fünf Jahren fährt der Münchner Autobauer Rekordabsätze und Rekordgewinne ein. 2004 steigerte BMW bei 44,3 Milliarden Euro Umsatz seinen Konzerngewinn unter dem Strich um 14,4 Prozent auf 2,22 Milliarden Euro. Beim Börsenwert habe der Premiumanbieter mit seinen Marken BMW, Mini und Rolls-Royce Massenhersteller wie VW, Ford oder Renault überholt, sagte Panke.

Der BMW-Chef zeigte sich von negativen Standortdebatten unbeeindruckt. Im Gegenteil. Panke nahm vor seinen Aktionären die neue Werkeröffnung in Leipzig am (morgigen) Freitag zum Anlass, sich eindeutig zum Standort Deutschland zu bekennen: "Deutschland hat nach wie vor die Voraussetzungen für Erfolg im internationalen Wettbewerb."

Dem Standort dürfe aber nicht aus "kurzfristig-populistischen Überlegungen Schaden zugefügt" werden, kritisierte Panke. "Es wäre aus meiner Sicht wesentlich sinnvoller, zu einer sachlichen Auseinandersetzung zurückzukehren, als ideologische Debatten zu führen."

Wettberwerbsposition stärken

Die Wettbewerbsposition der deutschen Industrie müsse nicht nur erhalten, sondern weiter gestärkt werden: "Es ist unbestreitbar, dass wir im internationalen Vergleich mit hohen Kosten zu kämpfen haben, und dass dieser Standort teilweise überreguliert ist." Doch Ausbildung, Infrastruktur, hohe Qualität und Motivation von Mitarbeitern und Industrie, sowie "letztlich auch ein gutes Gesprächsklima mit Arbeitnehmervertretern" seien die Basis dafür, nach wie vor Spitzenleistungen in Deutschland zu erzeugen.

Leipzig habe unter 250 Bewerbern im In- und Ausland das Rennen gemacht: "In diesem Verfahren gab es Aspekte, die, isoliert betrachtet, für einen ausländischen Standort gesprochen hätten", sagte Panke. Doch unter dem Strich habe bei Leipzig die Flexibilität der Mitarbeiter dies wieder aufgewogen: Unter Beibehaltung der tariflichen Arbeitszeiten seien flexible Maschinenlaufzeiten möglich, die in der Woche von 60 bis 140 Stunden liegen könnten.

Die mit dem Betriebsrat ausgehandelte "BMW-Formel für Arbeit" zeige, "dass mit intelligenter Planung und gutem Willen aller Beteiligten erfolgreiches Wirtschaften hier in Deutschland nach wie vor möglich ist". Im 1,3 Milliarden teuren Werk in Leipzig sollen langfristig 5.500 Arbeitsplätze entstehen, 5.000 weitere bei Zulieferern.

Erfolgsformel nicht kopierbar

Panke sagte, er werde immer wieder darauf angesprochen, warum die Entwicklung bei BMW positiv von anderen Unternehmen abweiche. "Dazu möchte ich sagen, dass wir vieles anders sehen und anders machen", fügte er hinzu. "Eine einfache kopierbare Formel gibt es nicht." Ein wesentlicher Faktor sei die einzigartige Motivation der Mitarbeiter, die stolz darauf seien, für dieses Unternehmen zu arbeiten.

Zum anderen verbessere BMW kontinuierlich seine Fertigungs- und Entwicklungsprozesse. So könne das Werk Dingolfing fast sämtliche Modellreihen auf einem Band produzieren. Da BMW die einzelnen Fahrzeuge nur auf individuelle Bestellung des Kunden produziere, liege die Fertigungsauslastung bei 95 Prozent: "Das ist in unserer Industrie ein absoluter Spitzenwert."

Allerdings weht auch den Münchnern durch die drastisch verteuerten Preise für Stahl und Rohöl sowie den ungünstigen Eurokurs ein rauer Wind entgegen. Panke blieb bei seiner zurückhaltenden Gewinnprognose für das laufende Jahr: Trotz eines neuerlich angestrebten Absatzrekordes sei der Rekordgewinn von 2004 in diesem Jahr nur "in etwa zu erreichen".

Dem von den Aktionären kritisierten, trotz Rekordzahlen stagnierenden Börsenkurs will der Konzernlenker mit einem Aktienrückkauf gegensteuern. Aktien im Wert von bis zu zehn Prozent des Grundkapitals sollen eingezogen werden und vom Markt verschwinden: "Sie bekommen dann ein Stück mehr BMW für jede einzelne ihrer Aktie", versprach Panke den Anlegern.

Quelle: ap

 
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