Nach Société-Générale-Skandal: BNP Paribas prüft Übernahmeangebot
zuletzt aktualisiert: 31.01.2008 - 21:47Paris (RPO). Nach dem Milliardenskandal bei der Société Générale prüft nun die Konkurrenzbank BNP Paribas ein Übernahmeangebot. "Wir denken darüber nach, wie die ganze europäische Bankenlandschaft auch", sagte BNP-Paribas-Sprecherin Christelle Maldague am Donnerstag. Auch die Deutsche Bank wird als Kandidat zum Kauf der "SocGen" gehandelt.
Maldague bestätigte mit ihrer Aussage die tagelangen Spekulationen, nachdem die Société Générale vor einer Woche einen Schaden von 4,82 Milliarden Euro wegen Fehlspekulationen eines ihrer Broker bekannt gegeben hatte.
Die Deutsche Bank könnte nach Ansicht des Bankenexperten Wolfgang Gerke die angeschlagene französische Großbank problemlos übernehmen. Schließlich sei diese gerade in einem desolaten Zustand, sagte der Präsident des Bayerischen Finanz Zentrums (BFZ) am Donnerstag den ddp/Dow Jones Wirtschaftsnachrichten.
Gerke zufolge stand die Deutsche Bank beim Konzentrationsprozess der vergangenen Jahre im Bankensektor "abseits". Jetzt könne sie "strategisch vorgehen" und einkaufen. Die Société Générale sei dafür eine "interessante Adresse".
Allerdings würden die Franzosen wahrscheinlich eine nationale Lösung präferieren, betonte der Professor. Deswegen sei es wahrscheinlicher, dass die Bank unter der BNP Paribas und der Crédit Agricole aufgeteilt oder nur von BNP Paribas übernommen wird.
Im Rahmen der Ermittlungen gegen den Händler Jérôme Kerviel vernahm ein Untersuchungsrichter am Donnerstag einen Topmanager der Société Générale. Generalsekretär Christian Schricke machte Angaben über die Arbeitsweise in Kerviels Abteilung, wie SocGen-Anwalt Jean Veil mitteilte. Der beschuldigte Broker wirft seinen Vorgesetzten vor, sie hätten über seinen riskanten Einsätze hinweggesehen, so lange er damit Gewinn gemacht habe.
Am Mittwochabend hatte die Polizei einen Computer Kerviels in der Wohnung von dessen Bruder Olivier beschlagnahmt. Die Bank übergab den Ermittlern zudem Aufzeichnungen über Kerviels Computeraktivität sowie E-Mails, die er seinen Vorgesetzten geschickt hat. Die Staatsanwaltschaft leitete am Montag ein Verfahren gegen den 31-Jährigen ein.
Gravierender als die Milliardenverluste der Société Générale sei für die Bank allerdings die weltweite Absenkung von Ausblicken für Banken durch die Rating-Agentur Standard & Poor's, ergänzte Gerke. Deren Auswirkungen würden auch Deutschland in den kommenden Monaten noch intensiv beschäftigen.
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