Nach Milliardenauftrag für Airbus: Boeing braust auf
zuletzt aktualisiert: 02.03.2008 - 12:30Berlin (RPO). Der amerikanische Flugzeughersteller Boeing zeigt sich erbost darüber, dass sein europäischer Konkurrent, der Airbus-Mutterkonzern EADS, einen Großauftrag des Pentagons bekommen hat. Boeing will sogar klagen. Zuvor war Boing als Favorit für die Auftragsvergabe gehandelt worden.
Das Pentagon hatte zuvor einen Milliardenauftrag zur Produktion neuer Flugzeuge an EADS vergeben. Von der Kritik Boings zeigte sich EADS jedoch unbeeindruckt:"Dass Boeing eine Klage erwägt, ist nicht überraschend. Das passiert in den USA nach der Vergabe eines Auftrags häufig. Das macht mir keine Angst, denn wir haben das Gefühl, dass es ein fairer und transparenter Wettbewerb war", sagte EADS-Chef Louis Gallois der "Welt am Sonntag".
In den USA sorgte die Entscheidung für Empörung: Der republikanische Senator Sam Brownback zeigte sich "schockiert" und wollte bei Verteidigungsminister Robert Gates einen Untersuchungsbericht anfordern. Laut Pentagon umfasst der Auftrag mit einem Volumen von umgerechnet 23 Milliarden Euro die Lieferung von 179 Tankflugzeugen.
Boeing hatte bisher den Kampfflieger KC-135 produziert und war daher von Analysten als Favorit für die neue Auftragsvergabe gehandelt worden. Sprecher William Barsdale sagte, der Konzern werde das Pentagon um eine Nachbesprechung bitten. Er räumte indirekt einen Protest Boeings gegen die Entscheidung ein. "Sobald wir die Details hinter der Auftragsvergabe überprüft haben, werden wir eine Entscheidung über etwaige Möglichkeiten treffen", sagte Barsdale.
Derweil feiert Airbus den Auftrag aus den USA: "Wir bauen zwar Arbeitsplätze in der Verwaltung ab, stellen aber auch neue Mitarbeiter für die Fertigung ein. Dank des Tanker-Auftrags werden wir jetzt noch mehr einstellen können", sagte Gallois. In Alabama entstehe die Endfertigungslinie, aber die Teile für den Tanker würden weiter in den europäischen Werken gefertigt. Die EADS-Tochter Airbus soll 179 Betankungsflugzeuge für die US-Luftwaffe bauen. Der Auftrag hat ein Volumen von 40 Milliarden Dollar (26,3 Milliarden Euro).
Gallois wertete den Auftrag für Airbus als "großen Durchbruch". Airbus-Chef Thomas Enders ergänzte: "Airbus hat jetzt die Gelegenheit, sich industriell in den USA fest zu etablieren. Wir werden dort künftig nicht nur Airbus-Flugzeuge verkaufen, sondern auch produzieren und zwar militärische wie zivile. Airbus wird damit auch eine amerikanische Firma."
Gallois zufolge gibt es bereits konkrete Baupläne für das neue Airbus-Werk im US-Bundesstaat Alabama. 2011 solle das erste Flugzeug an den US-Partner Northrop Grumman ausgeliefert werden, wo es weiter ausgerüstet werde. 2012 solle es dann an die amerikanische Luftwaffe übergeben werden.
Die EADS-Führung setzt nun auf weitere Expansion in den USA. Der Konzern besitzt dort bereits eine Fertigungslinie für Helikopter. Auf die Frage, ob nun weitere Werke gebaut werden sollten, sagte Gallois: "Warum nicht? Wir wollen weitermachen mit unserer Strategie."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum
