Milliardencoup in Gefahr?: Boeing legt Protest gegen EADS-Auftrag ein
zuletzt aktualisiert: 11.03.2008 - 13:51Washington (RPO). Der US-Flugzeugbauer Boeing wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die Vergabe des milliardenschweren Rüstungsauftrags an den europäischen EADS-Konzern. Die Amerikaner begründen den Schritt mit "ernsthaften Fehlern" im Vergabeverfahren. Der Auftrag für das europäische Unternehmen hatte in den USA für große Empörung gesorgt.
Der US-Flugzeugbauer reiche bei der zuständigen Regierungssstelle ein, teilte das Unternehmen am Montagabend mit. Durch den Protest liegt der Auftrag des Pentagons vorerst auf Eis. Die Führung der Airbus-Mutter EADS zeigte sich am Dienstag bei der Vorlage der Jahresbilanz unbeeindruckt. An der Börse setzten die Boeing-Beschwerde und der unerwartet hohe Jahresverlust von 446 Millionen Euro die EADS-Aktie aber unter Druck.
Die US-Luftwaffe hatte EADS mit dem US-Partner Northrop Grumman Anfang März den Zuschlag für die Lieferung von 179 Tankflugzeugen des Typs KC-45A gegeben. Der Wert des Auftrags liegt bei rund 35 Milliarden Dollar (22,8 Milliarden Euro). Die Vergabe mitten im US-Präsidentschaftswahlkampf hatte teils massive Proteste in den Vereinigten Staaten hervorgerufen.
Boeing wollte am Dienstag bei der Rechnungsprüfungsbehörde des US-Kongresses (GAO) Protest einlegen. Boeing-Chef Jim McNerney begründete den Schritt mit "ernsthaften Fehlern" im Vergabeverfahren. Boeing sei nach wie vor der Ansicht, das bessere Angebot gemacht zu haben. EADS-Chef Louis Gallois zeigte sich gelassen: "Aus unserer Sicht ist der Auswahlprozess außergewöhnlich transparent, professionell und gerecht verlaufen", sagte er in Paris. "Wir denken, dass wir das bessere Produkt haben."
Im vergangenen Jahr litt EADS weiter unter den Lieferverzögerungen beim Super-Airbus A380, aber auch beim Militärtransporter A400M. Hinzu kommt die Dollar-Schwäche, die Airbus wegen der Produktion im Euro-Raum im Vergleich zu Boeing auf dem internationalen Markt benachteiligt. Für die Tochter Airbus meldete EADS nun einen Jahresverlust von 881 Millionen Euro. 2006 hatte das Minus noch bei 572 Millionen Euro gelegen, wobei EADS selbst noch einen leichten Gewinn von 99 Millionen Euro ausweisen konnte.
"2007 war ein hartes Jahr, in dem wir viele große Herausforderungen stemmen mussten", sagte Gallois. Nach dem beschlossenen Verkauf von sechs Werken in Europa und dem Abbau von 10.000 Stellen durch den Sparplan Power 8 bekräftige der EADS-Chef, der Konzern suche mit Blick auf die Jahre 2011 und 2012 nach "zusätzlichen Maßnahmen", um die Kosten zu senken. "Airbus arbeitet daran" und werde Möglichkeiten in den kommenden Wochen durchspielen.
Gallois versprach für 2008 deutlich bessere Zahlen. Das Jahr habe mit dem "Durchbruch" in der US-Rüstungsindustrie "vielversprechend" begonnen, sagte er. Das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern soll dieses Jahr von 52 Millionen auf 1,8 Milliarden Euro steigen. Beim Umsatz, der 2007 bei 39,1 Milliarden Euro lag, würden über 40 Milliarden Euro anvisiert. An der Pariser Börse verlor die EADS-Aktie bis zum frühen Nachmittag über sechs Prozent.
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