Fast zehn Millionen neue Inhaberaktien: Borussia Dortmund plant Kapitalerhöhung
zuletzt aktualisiert: 16.09.2004 - 13:52Dortmund (rpo). Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund beabsichtigt, fast zehn Millionen neue Aktien an den Markt zu bringen und will damit sein Eigenkapital um rund die Hälfte aufstocken. Unter Ausnutzung des genehmigten Kapitals würden bis zu 9,75 Millionen Inhaberaktien ausgegeben, teilte die Borussia Dortmund GmbH & Co KGaA am Donnerstag mit.
Dadurch steige das Grundkapital um bis zu 9,75 Millionen Euro auf bis zu 29,25 Millionen Euro. Die rund zehn Millionen neuen Aktien werden zu einem Stückpreis von 2,50 Euro ausgegeben. Die Möglichkeit der Kapitalerhöhung hatten sich die Dortmunder bereits beim Börsengang im Oktober 2000 in der Satzung festschreiben lassen. Gerd Niebaum, Geschäftsführer der Borussia Dortmund GmbH und Co. GmbH, sieht diese Entscheidung als wichtigen Schritt für die "Neuordnung der Bilanzstruktur und Stärkung des Eigenkapitals".
In einer Ad-Hoc-Meldung verkündete die Borussia die Ausgabe der neuen Aktien und gewährte gleichzeitig Einblicke in die zu erwartende Bilanz des Geschäftsjahres 2003/04. Nachdem bereits nach dem ersten Halbjahr ein Minus von 29,4 Millionen Euro (13,2 Millionen vor Abschreibungen, Buchverlusten, Zinsen und Steuern) für Schlagzeilen und Aufsehen gesorgt hatte, werden vor Steuern etwa 22 Millionen Euro veranschlagt.
Demnach durfte sich die Roten Zahlen im Verhältnis zu den 29,4 Millionen Euro im Bereich von 50 bis 60 Millionen Euro (nach Abschreibungen und Steuern) bewegen. Die Borussen legen in ihrer Mitteilung jedoch Wert auf die Feststellung, dass "Abschreibungsvolumen und die Buchverluste von rund 45 Millionen Euro zu 90 Prozent die bilanzierten Spielerwerte betreffen".
Einzige Chance auf schnelles Geld
Die Kapitalerhöhung war offenbar die einzige Möglichkeit der kurzfristigen Kapitalbeschaffung, nachdem die KGaA in Kürze rund fünf Millionen Euro Gewerbesteuer an die Stadt Dortmund und vier Millionen (in zwei Raten) an die Commerzbank-Tochter Assunta zur Rückabwicklung des Vertrages über die Namensrechte des Westfalenstadions zahlen muss.
Die Platzierung der Kapitalmaßnahme sei bereits zu einem erheblichen Teil gesichert, ließ Niebaum wissen, da für die neuen Aktien bereits Abnahmegarantien vorliegen sollen. "Dieses Votum aus dem Kapitalmarkt, der den Sparkurs und die neue Unternehmensausrichtung von Borussia Dortmund stützen will, kann als Vertrauensbeweis gewertet werden", meinte der BVB-Chef.
Insider und Experten sehen die Entwicklung indes skeptisch, die Anhänger des Traditionsklubs scheinen das Vertrauen in die Führungsspitze der Borussia offenbar teilweise oder schon völlig verloren zu haben. Auf der Internet-Seite des Fan-Klubs schwatzgelb. de fragen sich die Treuesten zum Beispiel: "Wer sagt, dass 60 Millionen Minus übertrieben sind und dass 150 Millionen Schulden nur Spekulation sind? Aber es gibt immer noch genügend Leute, die sich erzählen lassen, wie viel tolles Vermögen wir noch als Deckung haben."
"Kurs ohne Alternativen"
Dem Führungs-Duo Niebaum und Manager Michael Meier steht viel Arbeit bevor, um Fans und Aktionäre vom Produkt Borussia Dortmund und einer besseren Zukunft zu überzeugen. "Unser Kostensenkungsprogramm macht sich bereits bemerkbar, auch wenn sich die erfolgreich eingeleiteten Maßnahmen im vollen Umfang erst in der vor uns liegenden Zeit auswirken werden. Belastet wird das Jahresergebnis vor allem von Abschreibungen und Buchverlusten aus Spielerwerten", erklärte Meier und Niebaum verteidigte die Geschäftspolitik: "Zu unserem neuen Kurs gibt es keine Alternativen. "
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum
