Übernahmegerüchte machen die Runde: Bouton bleibt an Spitze von Société Générale
zuletzt aktualisiert: 30.01.2008 - 15:14Paris (RPO). Die französische Großbank Société Générale befindet sich nach den nicht genehmigten Milliardenspekulationen in schwerem Fahrwasser. Vorstandschef Daniel Bouton steht in der Kritik. Der Verwaltungsrat der Bank hat ihm jedoch erneut den Rücken gestärkt. Derweil wird darüber spekuliert, ob das angeschlagene Institut übernommen wird.
Daniel Bouton bleibt Chef der von einem Milliardenskandal erschütterten Société Générale. Das entschied der Verwaltungsrat der französischen Großbank nach einer Krisensitzung am Mittwoch. In den vergangenen Tagen war spekuliert worden, Bankchef Daniel Bouton müsse seinen Hut nehmen. Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte ihm den Rücktritt nahe gelegt.
Unabhängige Experten sollen nach dem Willen des Verwaltungsrates den Skandal aufklären. Die Bank beauftragte die Prüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers, sie zu unterstützen.
Arbeitnehmervertreter für Bouton
Arbeitnehmervertreter Philippe Pruvost sprach sich vor dem Treffen am Mittwoch gegen eine Ablösung von Bankchef Daniel Bouton aus. Die Arbeitnehmer stünden hinter dem 57-Jährigen, der die Société Générale seit 1997 führt. "Er wird bleiben", sagte Pruvost, einer von zwei Arbeitnehmervertretern in dem 16-köpfigen Gremium. "Wenn ein Schiff leckt, wirft man nicht den Kapitän über Bord."
Auch Michel Marchet, Vertreter der Gewerkschaft CGT, sprach sich gegen einen Rauswurf Boutons aus. "Das würde bedeuten, dass jemand von außerhalb kommt, der das Unternehmen abwickeln würde", sagte er. Die Arbeitnehmer fürchteten in diesem Fall "einen Verkauf in Stücken".
Börsenwert halbiert
Die Société Générale ist wegen ungenehmigter Spekulationen ihres Händlers Jérôme Kerviel in Turbulenzen geraten und verbuchte daraus einen Verlust von 4,8 Milliarden Euro. Bouton hatte deswegen bereits seinen Rücktritt vergangene Woche angeboten, der Verwaltungsrat hatte dies aber abgelehnt. Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy sagte aber am Montag, eine Krise wie bei der Société Générale könne "nicht ohne Folgen bleiben, was die Verantwortung angeht".
Auch ein Thema im Verwaltungsrat dürften Spekulationen über eine Übernahme der Bank gewesen sein, deren Börsenwert sich binnen eines Jahres halbiert hat und die damit zu einem leichten Übernahmeziel geworden ist. Am Dienstag war der Kurs der Bankaktie wegen Marktgerüchten um eine mögliche Offerte der französischen Konkurrentin BNP Paribas um über zehn Prozent nach oben geschossen. Diese hatte 1999 schon einmal vergeblich versucht, die Société Générale in eine Megafusion französischer Banken zu zwingen.
Zudem gibt es Spekulationen, die Bank könne zu Gunsten der BNP Paribas und der Crédit Agricole aufgeteilt werden, und auch ausländische Institute könnten laut Gerüchten die Schwäche der Société Générale nutzen. Premierminister François Fillon hatte deshalb am Dienstag mögliche Interessenten gewarnt. Präsident Sarkozy werde nicht zulassen, dass die Bank "zum Gegenstand eines feindlichen Angriffs" werde, sagte er.
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