Deutsche Post: Briefträger müssen für gleiches Geld länger arbeiten
zuletzt aktualisiert: 06.05.2009 - 18:34Bonn (RPO). Die Deutsche Post leidet massiv unter der weltweiten Krise. Derzeit verzeichnet das Unternehmen einen "beispiellosen Nachfrageeinbruch", wie die Post am Montag in Bonn mitteilte. Vorstandschef Frank Appel (großes Foto oben) kündigt ein massives Sparprogramm an. Briefträger sollen ohne Lohnausgleich länger arbeiten. Außerdem sollen Medienberichten zufolge tausende Arbeitsplätze eingespart werden.
Die zunehmende Abwendung vom klassischen Briefverkehr bereitet der Deutschen Post immer mehr Probleme. Das rückläufige Briefgeschäft führte im ersten Quartal zu einem Umsatz- und Ergebnisrückgang bei dem Logistikdienstleister.
Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum reduzierte sich der Umsatz um 13 Prozent auf 11,5 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern und vor Einmaleffekten sei deutlich um 42 Prozent auf 312 Millionen Euro zurückgegangen. Auf das Gesamtjahr gesehen rechnet die Post dennoch mit einem Gewinn – wegen des lukrativen Verkaufs der Postbank. Dies hat allerdings nur eine einmalige Wirkung.
80.000 Briefträger betroffen
In den kommenden Monaten müssten noch einmal alle Bereiche durchleuchtet werden, sagte Briefvorstand Jürgen Gerdes. Dabei spielten die Personalkosten eine große Rolle. Es werde sowohl über die Verlängerung von Arbeitszeiten, die Kürzung und Begrenzung von Gehältern, die zeitweise Schließung von Filialen und die Reduzierung von Verteilzentren nachgedacht. Betriebsbedingte Kündigungen sind zunächst nicht möglich.
Appel bekräftigte bei einer Investorenkonferenz in Frankfurt am Main seine Forderung, die Arbeitszeit von derzeit 38,5 Stunden für die 80.000 Briefträger zu verlängern - ohne Lohnausgleich. "Wir können nicht einfach abwarten, wie sich die Dinge entwickeln", sagte er. In der "Bild"-Zeitung drohte Appel mit Entlassungen, falls keine Einigung mit der Gewerkschaft verdi zu erzielen sei.
Arbeitsplätze sollen eingespart werden
Einem Zeitungsbericht zufolge will die Post in ihrer Briefsparte jedes Jahr mehrere tausend Arbeitsplätze einsparen. Dies gehe aus einem Schreiben von Appel an die Belegschaft hervor, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". "Jedes Jahr gehen etwa 4000 bis 5000 Mitarbeiter in den Ruhestand oder verlassen das Unternehmen", schrieb Appel. "Angesichts der rückläufigen Volumina können wir diese Mitarbeiter nicht ersetzen, sondern wir müssen ihre Arbeit auf die restlichen Schultern verteilen."
Die rund 130.000 angestellten Briefträger und Sortierkräfte sind noch bis Mitte 2011 vor Kündigungen geschützt. Spielraum für Personalanpassungen sieht Briefvorstand Jürgen Gerdes laut "F.A.Z." bei den mehreren tausend Mitarbeitern mit befristeten oder Teilzeitarbeitsverträgen. Hier müssten alle Möglichkeiten für eine Flexibilisierung genutzt werden.
"Zwei Drittel unserer Kosten sind Personalkosten. Auch hier darf es keine Tabus geben", schrieb Gerdes der Zeitung zufolge in einem Mitarbeiterbrief. Alle Faktoren, welche die Personalkosten beeinflussten, von der Arbeitszeit über Löhne und Lohnzusatzkosten bis hin zur Fremdvergabe von Leistungen, müssten mit den Gewerkschaften und Betriebsräten diskutiert werden.
Medienberichte, nach denen die Post über Portoerhöhungen nachdenkt, bestritt Post-Chef Appel. Zuvor hatte ein Sprecher gesagt, der Rahmen für eine Porto-Erhöhung durch die Post sei sehr eng. Das Unternehmen müsste aber angesichts des Nachfrageeinbruchs künftig besser reagieren können. Die Post muss sich Portoanhebungen von der Bundesnetzagentur genehmigen lassen.
Die Post-Aktie legte am Nachmittag ein Prozent auf 9,91 Euro zu. Vor allem der neue Ausblick gefiel den Bankhäusern. "Das Unternehmen rechnet mit einem schnellen und starken Aufschwung", sagte ein Analyst.
Für das Gesamtjahr schwarze Zahlen vorausgesagt
Auch in den anderen Post-Segmenten waren die Umsätze rückläufig: bei Express um 25,9 Prozent, bei Fracht um 18,2 Prozent und bei der Logistik um 6 Prozent. Appel sieht allerdings Anzeichen, dass die Talsohle der Rezession langsam erreicht sein könnte. Die Beförderungszahlen seien nicht weiter gesunken. Bei der Seefracht gebe es im März sogar schon wieder ein leichtes Plus im Vergleich zum Vorjahr.
"Möglicherweise ist der Tiefpunkt erreicht", erklärte Appel. "Wir wissen aber nicht, ob der Aufschwung in einem Tag, einem Monat oder einem Jahr kommt. Wir sind noch sehr vorsichtig."
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