Nach Commerzbank: Bund bereit für Einstieg bei zehn Banken
VON THORSTEN BREITKOPF UND MARTIN KESSLER - zuletzt aktualisiert: 09.01.2009 - 21:36Berlin (RP). Die Bundesregierung hält es für möglich, dass nach der Commerzbank weitere Banken um eine staatliche Beteiligung nachsuchen. Auf einer internen Liste des Finanzministeriums stehen zehn Institute, darunter angeblich auch die WestLB.
Die Commerzbank dürfte nicht die einzige Bank bleiben, an der sich der Bund infolge der Finanzkrise beteiligen wird. Nach Informationen unserer Zeitung existiert im Ressort von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) eine Liste, auf der zehn weitere Kandidaten für einen möglichen staatlichen Anteilskauf stehen. Darunter soll sich der in Schieflage geratene Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate befinden, aber auch die Landesbanken WestLB, BayernLB und die HSH Nordbank befinden.
Seit Wochen verhandeln Vertreter unterschiedlicher Banken mit Steinbrücks Ressort und dem Finanzmarktstabilisierungsfonds Soffin über die Konditionen eines staatlichen Einstiegs. Die Liste der möglichen Kandidaten ist aufgrund dieser Verhandlungen entstanden. Gleichzeitig kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einen Rettungsfonds im Volumen von 100 Milliarden Euro an.
Damit solle "an sich gesunden Unternehmen" mit Bürgschaften geholfen werden, wenn diese von Banken anders keine Kredite mehr bekämen, sagte Merkel. Anders als bei der Commerzbank will der Bund bei angeschlagenen Firmen aber nicht als Teilhaber einsteigen.
Einen Tag nach der Übernahme von mehr als 25 Prozent der Commerzbank-Anteile durch den Bund ist die Aktie der zweitgrößten deutschen Bank weiter eingebrochen. Die Papiere verloren erneut elf Prozent an Wert und kosteten bei Börsenschluss nur noch 4,67 Euro. Bereits am Vortag war der Kurs um fast 14 Prozent gefallen. Hintergrund: In der Bilanz der übernommenen Dresdner Bank stecken wohl deutlich mehr Risiken als bislang erwartet: "Alles ist noch viel schlimmer als gedacht", sagte ein Experte.
Der Bund will sobald wie möglich zwei Staatssekretäre aus dem Finanzministerium in den Commerzbank-Aufsichtsrat schicken. Er ist künftig größter Einzelaktionär der Commerzbank. Aktionärsschützer bewerten den staatlichen Eingriff positiv. "Die Geldspritze stabilisiert die Bank. Damit ist der Großteil der Unsicherheiten aus dem Weg geräumt", sagte Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Durch die Fusion von Dresdner und Commerzbank sei mit Staatshilfen ein "zweiter nationaler Champion" geschaffen worden.
Nach Einschätzung von Experten könnten besonders mittelständische Unternehmen von der Staatsbeteiligung an der Commerzbank profitieren. "Bislang sind die Banken aus Angst bei der Kreditvergabe sehr zurückhaltend. Das könnte sich nun ändern", sagte Olaf Kayser, Bankenanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, unserer Zeitung. Durch den Einstieg des Bundes steigt das Eigenkapital bei der Bank, und damit können mehr Kredite vergeben werden.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum
