Vor Treffen mit Fiat: Bund stellt Bedingungen für Opel-Übernahme
zuletzt aktualisiert: 03.05.2009 - 08:21Berlin/Bochum (RPO). Die Bundesregierung stellt Bedingungen für die Übernahme des angeschlagenen Autoherstellers Opel. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) forderte, jeder Interessent müsse ein bestimmte Bedingungen erfüllen. Das Rennen zwischen den Opel-Interessenten Fiat und Magna ist unterdessen noch offen, auch wenn Magna bisher offenbar das bessere Angebot vorgelegt hat.
Vor dem Treffen mit Fiat-Chef Sergio Marchionne am Montag sagte zu Guttenberg der Zeitung "Bild am Sonntag" (Onlineausgabe), jeder Interessent an Opel müsse ein Konzept vorlegen, das langfristig trage. "Auf finanzielle Abenteuer zu Lasten des Steuerzahlers dürfen wir uns nicht einlassen", sagte Guttenberg.
Der Minister forderte zudem: "Das Konzept muss klarmachen, dass die Opel-Standorte in Europa, die erhalten werden sollen, dadurch langfristig gesichert sind." Eine staatliche Beteiligung an Opel bleibe für ihn unvorstellbar. "Es kann höchstens um eine zeitlich begrenzte Verbürgung von Darlehen gehen", sagte Guttenberg.
Vertreter der Bundesregierung und von Fiat werden am Montag in Berlin über ein Engagement der Italiener beim angeschlagenen deutschen Autobauer sprechen. Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) würden mit Fiat-Chef Sergio Marchionne zusammentreffen, sagten Sprecher der beiden Ministerien am Samstag in Berlin auf Anfrage und bestätigten damit entsprechende Medienberichte.
Einem Bericht der italienischen Zeitung "La Stampa" zufolge will Fiat unbedingt auch Opel übernehmen. Opel sei laut Marchionne der "ideale Partner" für Fiat. Der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe) zufolge will Marchionne der Bundesregierung am Montag ein erstes, grobes Konzept präsentieren. Darin wolle er alle deutschen Standorte von Opel erhalten, also die Werke im hessischen Rüsselsheim sowie in Bochum, Eisenach (Thüringen) und Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz), allerdings nicht alle Werke in der bisherigen Größe, hieß es in der Zeitung unter Berufung auf Unternehmenskreise. Opel beschäftigt an seinen vier Standorten in Deutschland 25 000 Mitarbeiter, 5000 davon in Bochum.
Wie das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Samstag vorab berichtete, trifft Marchionne am Montag auch mit SPD-Chef Franz Müntefering und dem Opel-Betriebsratschef Klaus Franz zusammen. Franz hatte zwar geargwöhnt, Fiat wolle nur an Staatshilfe aus Deutschland herankommen, für Gespräche sei der Arbeitnehmervertreter aber offen. Zudem habe Steinmeier einen 14-Punkte-Katalog mit Kriterien aufgestellt, die ein Investor erfüllen muss, um den Zuschlag bei Opel zu erhalten. Im Mittelpunkt müsse danach "der Erhalt aller Standorte und möglichst vieler Arbeitsplätze in Deutschland" stehen.
Ein erstes Angebot Fiats für Opel soll einem Bericht der "Wirtschaftswoche" aus Verhandlungskreisen zufolge allerdings "nicht seriös" gewesen sein. Danach habe Fiat weniger als eine Milliarde Euro für Opel geboten, was aus Sicht der Opel-Mutter General Motors deutlich zu wenig sei. Ob Fiat nachbessert, sei derzeit unklar. Der Turiner Autobauer gilt mit seinem derzeitigen Schuldenberg von sechs Milliarden Euro als finanzschwach.
Anders sieht es beim kanadisch-österreichischen Autozulieferer Magna aus, der ebenfalls als Interessent für Opel gehandelt wird. Allein das Privatvermögen von Magna-Eigner Frank Stronach wird der "Wirtschaftswoche" zufolge auf 1,5 Milliarden Euro geschätzt. Das erste Konzept, das Magna für die Übernahme einer Opel-Mehrheit vorlegte, solle internen Angaben zufolge deutlich überzeugender als das von Fiat sein - zumal Magna angeblich fünf Milliarden Euro bot.
Unterdessen warnten Politiker von SPD und Grünen vor einem Einstieg Fiats bei Opel. "Aus Sicht der SPD war Fiat von Anfang an nicht ideal für Opel, weil damit eine spätere Zerschlagung des Unternehmens nicht ausgeschlossen wäre", sagte der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises, Johannes Kahrs, der "Berliner Zeitung" (Samstagausgabe). Opel brauche keinen Partner, der genug eigene Probleme habe. Man müsse überlegen, ob nicht der Staat in einem begrenzten Umfang einsteige, sagte Kahrs. Der Spitzenkandidat der Grünen, Jürgen Trittin, warf Fiat vor, mit deutschen Staatsgeldern den kostspieligen Einstieg bei Chrysler finanzieren zu wollen. "Es ist fraglich, ob dies im Interesse Opels, des Bundes und der Länder ist", sagte Trittin.
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