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Kritik an Rundfunksender
BBC-Journalistin protestiert gegen ungleiche Bezahlung

Carrie Gracie wirft BBC ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern vor
Carrie Gracie. FOTO: ap
Peking. Carrie Gracie wirft ihrem Arbeitgeber vor, dass er männliche Kollegen besser bezahlt als Frauen, obwohl sie dieselben Aufgaben übernehmen. Die britische Journalistin gibt deshalb ihre leitende Position auf.

Carrie Gracie machte den Schritt am Montag öffentlich. Sie protestiere damit gegen die die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen beim britischen Rundfunksender BBC, für den sie arbeitet, sagte die Journalistin und trat von der leitenden Position als Büroleiterin in China zurück. Der Rundfunksender berichtete breit darüber. Er versicherte, es gebe keine "systematische Benachteiligung von Frauen" bei der BBC. 

Die Journalistin sagte, der Grund für ihren Rücktritt sei eine "Vertrauenskrise", die im Sommer mit der Veröffentlichung der Gehälter der BBC-Führungsriege begonnen habe. Diese Veröffentlichung habe eine "unhaltbare" Lücke in der Bezahlung zwischen Männern und Frauen gezeigt, die den gleichen Job machten. Das Vertrauen der Belegschaft sei zerstört. In den vergangenen Monaten hätten sich bis zu 200 Frauen bei der BBC über ungleiche Bezahlung beschwert. Der öffentlich-rechtliche Sender habe nicht genug getan, um diese Einkommensschere zu schließen, sagte Gracie in der BBC-Sendung "Today". Die beiden männlichen Chefkorrespondenten in den BBC-Auslandsbüros würden mindestens 50 Prozent mehr verdienen als ihre beiden weiblichen Kolleginnen.

Die BBC musste im Juli erstmals in ihrer Geschichte die Jahresgehälter ihrer Topverdiener veröffentlichen. Die öffentlich-rechtliche Rundfunkgesellschaft legte eine Liste mit 200 Namen von Führungskräften, Moderatoren und Schauspielern vor, die zuletzt ein Jahresgehalt von mehr als 150.000 Pfund (rund 170.000 Euro) erhielten. Zwei Drittel davon waren Männer. BBC-Generaldirektor Tony Hall erklärte damals, dass es bei der Gleichberechtigung noch "mehr zu tun" gebe.

Es gehe ihr nicht um mehr Geld für sich selbst, sondern nur darum, dass die BBC die britischen Gesetze zur gleichen Bezahlung für gleiche Arbeit befolge, sagte Gracie. Komplett will sie der BBC nicht den Rücken kehren, sondern in den Newsroom in London zurückkehren. Dort erwarte sie sich dann auch das gleiche Gehalt wie ihre männlichen Kollegen, sagte sie. Eine BBC-Sprecherin sagte, gleiche Bezahlung sei dem Sender sehr wichtig. Es werde dazu auch bald einen neuen Bericht geben.

Die britische Journalistengewerkschaft kündigte am Montag an, sie sei "entschlossen", die BBC zu Ausgleichszahlungen für betroffene Frauen zu zwingen. Mehr als 130 Journalistinnen bei der BBC erklärten sich mit Gracie solidarisch.

(wer/ap)
 
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