Nächster EZB-Chef: Chancen für Draghi steigen
zuletzt aktualisiert: 18.02.2011 - 16:21Berlin (RPO). Die Chancen des italischen Notenbankchefs Mario Draghi auf das Amt des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) haben sich wohl deutlich verbessert. Laut einem Medienbericht wird ein anderer möglicher Kandidat, der finnische Zentralbankgouverneur Erkki Liikanen, von seinem Land nicht ins Rennen geschickt. Die Diskussion über die Eignung des designierten Bundesbankchefs Jens Weidmann ging derweil weiter.
Der ehemalige Bundesbankpräsident Ernst Welteke äußerte sich skeptisch zur Ernennung des bisherigen Kanzlerberaters Weidmann zum Nachfolger von Axel Weber. "Eine Schwäche ist sicher, dass Weidmann noch nie einen so großen Apparat mit so vielen Mitarbeitern geführt hat", sagte Welteke, der von 1999 bis 2004 der Bundesbank vorstand, der "Financial Times Deutschland". Allerdings stehe Weidmann als Bundesbankchef nicht alleine da, sondern die Institution funktioniere auch "aus sich heraus". Zuvor hatte bereits der Münchener Ökonom Gerhard Illing den angeblich mangelnden akademischen Hintergrund Weidmanns kritisiert.
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nahm Weidmann in Schutz. "Wer seine persönliche Integrität kennt, weiß, dass er dieses Amt sehr gut ausfüllen wird und dass auch überhaupt kein Zweifel daran besteht, dass er seine neue Rolle unabhängig ausüben wird", sagte er den Dortmunder "Ruhr Nachrichten".
Verhandlungen über EZB-Nachfolge ab März
Die Beratungen über den EZB-Chefposten sollen laut Schäuble frühestens Ende März beginnen. Im Deutschlandfunk sagte der Finanzminister am Freitag, zunächst werde man sich in Europa um die Reformen kümmern, die im Europäischen Rat bis Ende März geleistet werden müssten. Dabei handele es sich um einen dauerhaften Krisenstabilisierungsmechanismus, eine Verstärkung der Wettbewerbsfähigkeit und eine bessere Verpflichtung aller Mitgliedstaaten zur Einhaltung der Stabilitätskriterien. Erst dann werde man sich mit der Nachfolge des Ende Oktober aus dem Amt scheidenden EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet beschäftigen.
Auf die Frage, ob es einen deutschen Kandidaten gebe, sagte Schäuble: "Das werden wir dann sehen." Wichtig sei, dass ein guter Kandidat gefunden werde. Bundesbankpräsident Weber, der bislang als deutscher Kandidat galt, steht als Trichet-Nachfolger nicht mehr zur Verfügung. Er wird Ende April vorzeitig seinen Hut nehmen.
Einer der möglichen Bewerber für den EZB-Chefposten, dem von Beobachtern gute Chancen eingeräumt wurden, wird aber offenbar gar nicht erst antreten. Der finnische Finanzminister Jyrki Katainen sagte der "FAZ", das Rennen um die Trichet-Nachfolge werde wohl zwischen Italien und Deutschland entschieden. Nach dem Rückzug Webers käme noch der Deutsche Jürgen Stark in Frage, der im EZB-Direktorium sitzt. Denkbar wäre allenfalls, dass Deutschland auf eine Präsidentschaft Starks für dessen restliche Amtszeit dringt, was jedoch nicht als saubere Lösung gelte, schreibt die Zeitung.
Somit verbessern sich dem Bericht zufolge die Chancen Draghis. Er hat laut "FAZ" zwar mit dem Manko zu kämpfen, dass er aus einem traditionellen "Weichwährungsland" stammt und einst als Investmentbanker arbeitete. Seine fachliche Eignung sei aber unumstritten. Unterstützung bekam Draghi vom früheren Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, der ihn in der "Welt" als ideale Besetzung bezeichnete.
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