Hauptversammlung bei Siemens: Chef Kleinfeld im Kreuzfeuer der Kritik
zuletzt aktualisiert: 22.01.2007 - 14:25Frankfurt/Main (RPO). Wenige Tage vor der Hauptversammlung bei Siemens wächst die Kritik an Konzernchef Klaus Kleinfeld. Scharfe Kritik kommt insbesondere aus Aktionärskreisen. Die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) spricht sich gegen die vorzeitige Verlängerung seines Vertrages aus.
DSW und andere Kleinaktionärsvertreter kündigten an, bei der Hauptversammlung am Donnerstag Kleinfeld und anderen Konzernlenkern die Entlastung zu verweigern. Kleinfeld bekräftigte derweil, Siemens wolle alles tun, um die Korruptionsaffäre aufzuklären.
DSW-Sprecher Jürgen Kurz sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", der Aufsichtsrat solle mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung für Kleinfeld warten, bis die staatsanwaltlichen Ermittlungen abgeschlossen seien. Sonst biete der Konzern schon wieder Angriffsfläche und stehe unter Rechtfertigungsdruck.
Die DSW will kein einziges Vorstandsmitglied bei der Hauptversammlung entlasten. "Der gesamte Vorstand hat das Problem viel zu spät aufgegriffen und nicht entschieden genug gehandelt", sagte DSW-Vertreterin Daniela Bergdolt dem "Tagesspiegel".
"Nur wer einen guten Job macht, soll auch entlastet werden"
Scharfe Kritik an der Konzernspitze übte auch der Verein der Siemens-Belegschaftsaktionäre, der etwa 5.000 Mitglieder vertritt. "Nur wer einen guten Job macht, soll auch entlastet werden", sagte der Vorsitzende des Vereins, Manfred Meiler, dem "Tagesspiegel".
Dies gelte jedoch nicht für Kleinfeld, Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer, Finanzchef Joe Kaeser, Vorstandsmitglied Rudi Lamprecht sowie den Siemens-Aufsichtsrat und Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann. Kleinfeld trage die Verantwortung für die Schmiergeld-Affäre und die Pleite der ehemaligen Siemens-Handysparte. Auch Kaeser und Lamprecht hätten in ihrer Verantwortung für die Handysparte versagt.
Von Pierer und Ackermann werfen die Belegschaftsaktionäre vor, die 30-prozentige Gehaltserhöhung des Siemens-Vorstands zur Unzeit durchgedrückt zu haben. Pierer habe außerdem in der Korruptionsaffäre "nicht zeitnah gehandelt."
Kleinfeld hofft auf fairen Empfang
Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) kündigte dem Bericht zufolge an, sie werde dem gesamten Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung versagen. "Es wird sehr viel Gegenwind geben", sagte Willi Bender von der SdK dem "Tagesspiegel".
Klaus Kleinfeld sagte in einem Interview des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" mit Blick auf die Korruptionsaffäre, er wisse gegenwärtig "weder, wie tief dieser Sumpf ist, noch wie weit er reicht", doch werde er auf vollständige Aufklärung dringen. Die anstehenden internen Prüfungen sehe er auch als Chance, "aus diesem Prozess als Unternehmen hervorzugehen, das in spätestens drei bis fünf Jahren für weltweit mustergültige Transparenz und Kontrolle stehen wird".
In diesem Zusammenhang äußerte der Siemens-Chef die Hoffnung, dass ihm die Aktionäre am Donnerstag einen fairen Empfang bereiten werden. Gleichwohl sei die Diskussion über die Korruptionsaffäre und das BenQ-Debakel notwendig und richtig, zumal Siemens eine "deutsche Ikone" sei, die auch für moralische Werte und Integrität stehe.
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