Verfassungsschutz warnt: Chinesen hacken sich in deutsche Firmen
zuletzt aktualisiert: 08.02.2007 - 06:28Hamburg (RPO). Der Verfassungsschutz warnt vor Wirtschaftsspionage aus China. In letzter Zeit seien immer mehr chinesische Hackerangriffe festzustellen, sagt der Vizepräsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans Elmar Remberg. Besonders gefährdet seien mittelständische Unternehmen.
"In letzter Zeit haben wir verstärkt chinesische Hackerangriffe festgestellt", sagte Remberg der "Financial Times Deutschland". Ein Sicherheitsrisiko stellt nach Angaben der Verfassungsschützer die bei Firmen immer beliebtere Internettelefonie dar. Der Verfassungsschutz hält zudem Praktikanten für eine mögliche Gefahrenquelle.
Sowohl Russland als auch China versuchen laut Bundesverfassungsschutz, durch Industriespionage an das Wissen deutscher Firmen zu kommen. Die russischen Geheimdienste arbeiteten aber vor allem mit klassischen Agenten. China dagegen setze immer mehr auf moderne Technik: "Die Chinesen sind nach unsereren Erkenntnissen hauptsächlich auf dem elektronischen Sektor aktiv", sagte Remberg der "FTD". Dabei helfe ihnen die zunehmende Vernetzung.
Auch im Verfassungsschutz-Bericht 2005 hatte der deutsche Inlandsgeheimdienst vor systematischer chinesischer Industrie-Spionage gewarnt. Die chinesischen Botschaften in Deutschland kontaktierten dabei unter anderem in Unternehmen tätige chinesische Wissenschaftler, Akademiker und graduierte Studenten, um Wissen nach Fernost weiterzugeben, hieß es. Dies geschehe oft auch illegal ohne Zustimmung des jeweiligen deutschen Arbeitgebers. Auch Besuche chinesischer Delegationen in deutschen Firmen würden zur Informationsgewinnen genutzt.
China "unternimmt große Anstrengungen, westliches Know-How aus allen wesentlichen Bereichen zu erlangen, um zu den technologisch hoch entwickelten Staaten des Westens aufzuschließen", heißt es im Verfassungsschutzbericht. "Deutschland als eines der führenden westlichen Industrieländer mit seiner exportorientierten Produktion steht dabei im besonderen Interesse chinesischer Nachrichtendienste. " Schätzungen zufolge entstehen der deutschen Wirtschaft durch Know-how-Diebstahl jährlich Schäden in Milliardenhöhe.
Mittelständler gelten als besonders von der Spionage gefährdet, weil sie im Gegensatz zu Großkonzernen nicht über eigene Sicherheitsabteilungen verfügen. "Die Industriespionage ist sicherlich ein Problem für den Mittelstand", sagte der Chef des Bundesverbands Mittelständische Wirtschaft (BVMW). Die deutschen Firmen seien dadurch aber nicht in ihrer Existenz gefährdet.
Laut BVMW klagen aber immer wieder Unternehmer darüber, dass chinesische Firmen ihre Patente nachbauten. Zu möglichen Hacker-Angriffen sagte Ohoven, jedes Unternehmen müsse selbst klug genug sein, um sich von IT-Spezialisten beraten zu lassen. "Wer das nicht tut, läuft Gefahr, dass der Konkurrent herumstöbert." Auch bei Praktikanten müsse jeder Unternehmer selbst darauf achten, dass er diese nicht in sicherheitsrelevanten Bereichen des Unternehmens einsetze.
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