Auto-Exporte legen deutlich zu: Chinesen wild auf teure deutsche Autos
zuletzt aktualisiert: 02.07.2010 - 17:13Berlin (RPO). Die deutschen Autobauer erleben ein Exportmärchen und sind nicht mehr weit von früheren Rekordausfuhren entfernt. Im ersten Halbjahr stiegen die Pkw-Ausfuhren um 44 Prozent. Die Inlandsproduktion wuchs um 23 Prozent, die Kurzarbeit ist fast vorbei. Vor allem Gutverdiener in den USA und China bestellen deutsche Autos wie lange nicht mehr.
Daimler-Chef Dieter Zetsche rechnet sogar damit, dass 2010 eines der besten Jahre in der Geschichte der weltweiten Automobilindustrie werden könnte. Auch die erwartet schwachen Zulassungszahlen im Inland können das Bild kaum trüben.
"Wir gehen davon aus, dass die deutsche Automobilindustrie im Gesamtjahr 2010 den Pkw-Export um mindestens ein Fünftel auf über 4,15 Millionen steigern wird", sagte der Präsident Branchenverbandes VDA, Matthias Wissmann, am Freitag in Berlin. Damit würden VW, BMW, Mercedes und Co. über dem Exportniveau des Jahres 2008 liegen "und vom bisherigen Ausfuhrrekord 2007 nur noch wenig entfernt sein", sagte er.
Kurzarbeit fast beendet
Vor allem Nachfrage aus China und der US-Markt treiben das Geschäft an, wie der VDA mitteilte. Die Inlandsproduktion werde im Gesamtjahr 2010 um mindestens 10 Prozent auf 5,45 Millionen Wagen steigen. Damit sei die Branche nur noch rund 100.000 Einheiten vom hohen Produktionsniveau des Jahres 2008 entfernt. Auf die Beschäftigung wirke sich die rasche Erholung der Exportmärkte positiv aus, sagte Wissmann. Die Kurzarbeit in den Pkw-Werken sei fast beendet.
Während der Exportmotor brummt, steckt der Inlandsmarkt nach dem Ende der Abwrackprämie tief im Minus. Im ersten Halbjahr wurden 1,47 Millionen Autos neu zugelassen, ein Rückgang um 29 Prozent. Ursache des Einbruchs ist die vergangenes Jahr gezahlte Abwrackprämie der Bundesregierung, die damals den deutschen Automarkt aufgebläht hatte. Allerdings verloren die Importeure deutlich mehr als die deutschen Hersteller. Teure Autos wie Mercedes oder BMW verkaufen sich zurzeit auch in Deutschland überdurchschnittlich gut: Viele Firmenchefs gönnen sich nach Ende der Krise einen neuen Dienstwagen.
Zetsche erwartet Mercedes-Rekordabsatz im Juni
Daimler-Chef Zetsche sagte in München, der Juni sei beim Absatz wohl ein "historischer Rekordmonat" für Mercedes gewesen. Der Premiummarkt entwickle sich besonders dynamisch. "Unser Stern strahlt wieder", betonte er. Er erwarte, dass China "in der Gegend um 2015" für Mercedes zum größten und wichtigsten Markt werden könnte.
Der US-Automarkt ist im Juni um 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf knapp unter eine Million Autos gestiegen. Damit schwächt sich der Aufwärtstrend dort langsam ab: In den ersten sechs Monaten wurden zusammen 5,6 Millionen Wagen verkauft, fast 17 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2009. Von den deutschen Herstellern schlugen sich Porsche und Mercedes extrem gut, VW und BMW lagen mit ihrem Wachstum knapp unter dem Durchschnitt.
Marktführer war weiter General Motors mit 195.000 verkauften Autos im Juni, ein Plus von 36 Prozent im fortgeführten Geschäft. Ford legte um 13 Prozent auf 176.000 Stück zu. Der von Rückrufen geplagte Hersteller Toyota wuchs mit nur 7 Prozent auf 140.000 unterdurchschnittlich.
Sehr gut lief der Juni für Porsche: Die Auslieferungen stiegen auf 2141 Fahrzeuge, ein Plus von 137 Prozent. Porsche-Mutter Volkswagen legte fast 11 Prozent zu auf 21.000 Stück. Mercedes-Benz USA erzielte ein Wachstum von über 25 Prozent auf fast 19.000 Fahrzeuge. Vor allem die C- und E-Klasse legten ordentlich zu, die teure S-Klasse verdoppelte sogar den Absatz.
Audi berichtete unterdessen von einem Plus in China von 64 Prozent auf mehr als 100.000 Stück im ersten Halbjahr.
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